Warum Lothar Matthäus an allem schuld ist

Der Anti-Hoffnungsträger

Die Bundesliga ist von einem Trainerbeben erfasst worden. Allerorts wechseln Vereine ihre Übungsleiter, direkt oder spätestens im Sommer. Und schuld an allem ist Lothar Matthäus.

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Es war vielleicht das Trainer-Hick-Hack dieser Saison: Domenico Tedesco und Schalke 04. Erst war er der unangefochtene Chef, dann ließen sich die Niederlagen nicht länger verargumentieren. Tedesco kämpfte. Schalkes Vorstand besprach die Lage spätabends in einem Flughafenhotel bei Düsseldorf. Eine letzte Chance, ausgerechnet auch gegen Manchester City, dann war der Trainer weg. Seitdem hat den deutschen Fußball ein regelrechtes Trainerbeben erfasst. Und man muss sich langsam fragen, woran das liegt.

Alle verrückt?

Markus Kauczinski raus, Manuel Baum raus, deshalb Jens Lehmann auch raus. Tedesco ist jetzt schon länger weg, Bruno Labbadia wollte ja unbedingt, Dieter Hecking wird bald gehen müssen, nur: Geht Thomas Doll noch früher? Und wie geht es eigentlich weiter mit Pal Dardai? Immerhin: In der 2. Liga gab es in diesem Jahr schon 14 Trainerwechsel. Ingolstadt hat allein drei Trainer verschlissen. Und die Sportfreunde Lotte, der Drittligist aus der Nähe von Osnabrück, hat sich am Montag erst seinen Ex-Coach angelacht.

Was die Frage aufwirft: Sind die denn alle verrückt geworden?

Nun. Verrücktheit oder auch »Wahnsinn« wurde bis zum Ende des 19. Jahrhunderts als Oberbegriff für Verhaltens- oder Denkmuster verwendet, die nicht den gesellschaftlichen Konventionen entsprachen. Mittlerweile gilt »Verrückt sein« (nicht zu verwechseln mit dem positiv besetzten »Nützlichen Wahnsinn« oder der »Ganz normalen Verrücktheit«) als psychische Krankheit, wird von Medizinern behandelt und deshalb bedarf es auch in diesem Fall ein wissenschaftliches Vorgehen bei der Suche nach der Antwort, ob sie denn nun alle verrückt sind.

Was geschah in Düsseldorf?

Womit wir zurück wären im Sitzungssaal des Tagungshotels nahe des Düsseldorfer Flughafens. Dort trafen sich also der Schalker Aufsichtsrat und der designierte Sportvorstand Jochen Schneider, um die Lage, die immer schlimmer schien, zu besprechen. Schalke war zu diesem Zeitpunkt am Boden, hatte gerade 0:4 gegen Fortuna Düsseldorf verloren, würde am Wochenende gegen Werder Bremen spielen und anschließend eine 0:7-Pleite in Manchester kassieren. (Was die Vorstände und Aufsichtsratsmitglieder selbstredend noch nicht wussten.)

Was muss passiert sein, dass Domenico Tedesco bleiben durfte? - Um diese Frage zu beantworten, müssen wir uns in die Köpfe der Beteiligten hineindenken. Quasi die Situation simulieren.