Warum Lok Leipzig 16 B-Jugendspieler suspendiert hat

Wie Leipzig den Kampf gegen Rechts gewinnen will

Stattdessen soll den 16- und 17-Jährigen eine Perspektive aufgezeigt werden. In den verbleibenden fünf Saisonspielen wird allerdings keiner der auf dem Foto zu sehenden Jugendlichen zum Einsatz kommen. Der Weg zurück in die Mannschaft führt nur über eine Teilnahme an verschiedenen Aufklärungsprojekten.

Sechs fixe Termine hat Lok Leipzig dafür vorerst veranschlagt. Die Aufarbeitung des Schicksals jüdischer Fußballer im Nationalsozialismus ist vorgesehen sowie die Teilnahme an einem Workshop zum Thema Demokratieverständnis. Aber auch auf Trainerebene möchte der Verein ansetzen.

Der Mief vergangener Tage

»Nicht jeder trägt ein Schild um den Hals, wo draufsteht: ›Ich bin rechts‹«, so Stephan Guth. Dennoch müsse man in Anbetracht der aktuellen Ereignisse in Erwägung ziehen, die Trainer gründlicher zu durchleuchten. Dabei dürfe man im Zweifelsfall auch nicht vor einer Überprüfung der Social-Media-Auftritte möglicher Kandidaten zurückschrecken.

Für den Klub ist es eine schwierige Situation, denn der rechte Mief vergangener Tage sitzt immer noch in den blau-gelben Trikots. In der Presse wurden Erinnerungen wach an das Derby gegen Chemie Leipzig im Jahr 2002, bei dem ein Banner mit der Aufschrift »Rudolf Heß – Bei uns rechts außen« ausgerollt wurde. Heß galt als enger Vertrauter Adolf Hitlers.

»Jetzt beginnt die richtige Arbeit«

Seitdem haben die Verantwortlichen einen Antidiskriminierungsbeauftragten installiert und Lok Leipzig mit einer neuen, betont weltoffenen DNA ausgestattet. Zu behaupten, das Problem mit der rechten Fanszene sei deswegen aus der Welt, wäre naiv. Dennoch lohnt ein Blick auf die Worte, mit denen der Präsident des Sächsischen Fußball-Verbandes, Hermann Winkler, die aktuellen Entwicklungen bei Lok Leipzig kommentiert hat: »Der Fußball ist ein Spiegelbild der Gesellschaft, aber kein Reparaturbetrieb für Dinge, die in der Gesellschaft falsch laufen.«

Die Lok-Verantwortlichen begegnen den Geistern der Vergangenheit nichtsdestotrotz mit Transparenz und Tatendrang. Dass es dazu mehr als nur Lippenbekenntnisse braucht, weiß auch Vizepräsident Stephan Guth: »Pressemitteilungen zu schreiben und Besserung zu geloben, das ist der leichte Teil. Jetzt beginnt die richtige Arbeit.«