Warum Lok Leipzig 16 B-Jugendspieler suspendiert hat

Mannschaftsfoto mit Hitlergruß

Die B1-Jugend von Lokomotive Leipzig schockiert mit einem Hitlergruß-Foto. Der Verein reagiert energisch, denn für Lok ist es nicht der erste rechte Zwischenfall. Aber wie viel Schuld trifft den Klub wirklich?

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Wer das Leitbild des 1. FC Lokomotive Leipzig liest, stößt auf eine Liste von sieben Leitsätzen, denen sich der Verein gemeinsam mit Fans, Spielern und Angestellten verschrieben hat. Unter anderem steht dort: »Wir vermitteln Werte wie Loyalität, Respekt, Fairness und Toleranz«.

Doch wenn die Loyalität den falschen (vermeintlichen) Respektspersonen gilt, können Fairness und Toleranz schnell auf der Strecke bleiben. Diese bittere Erfahrung musste Lok Leipzig nun mit der eigenen B1-Jugend machen. Am vergangenen Mittwoch gelangte die Vereinsführung an ein Foto, das große Teile der Mannschaft beim Hitlergruß zeigen soll. Zuvor war das Bild durch die mannschafsinterne WhatsApp-Gruppe kursiert.

Hausverbot und Strafanzeige

Das Problem: Leipzigs Co-Trainer hatte die Spieler zum Zeigen des Grußes animiert. Unmittelbar nach Bekanntwerden der Ereignisse wurde er gemeinsam mit dem hauptverantwortlichen Übungsleiter entlassen. Gegen den Co-Trainer wurde zudem ein lebenslanges Hausverbot ausgesprochen und Strafanzeige erstattet. »Wir haben diesen unglaublichen Vorfall intensiv ausgewertet und sofort die entsprechenden Konsequenzen gezogen«, kommentierte Lok-Präsident Thomas Löwe.

Insgesamt 16 Spieler der B1-Jugend, aktueller Tabellenführer der Landesliga Sachsen, sind auf dem Foto zu sehen. Nicht alle 16 machen den Gruß, aber alle 16 sind von den verhängten Strafen betroffen. Vizepräsident Stephan Guth erklärt das so: »Das Foto ist augenscheinlich in der Bewegung entstanden. Wir machen uns nicht die Mühe, nachträglich jede Armbewegung einzeln zu interpretieren. Hier gilt die alte Regel: Mitgefangen, mitgehangen.«

Eine weltanschauliche Entgleisung

Wie es zu einer derartigen weltanschaulichen Entgleisung kommen konnte, soll nun ausführlich aufgearbeitet werden. Was bringt eine große Gruppe Jugendlicher dazu, den Hitlergruß zu zeigen? Diese Frage stellen sich auch die Entscheidungsträger bei Lokomotive Leipzig.

»Die Trainer sind schon eine Weile an der Mannschaft dran«, gibt Vizepräsiden Stephan Guth zu, glaubt jedoch nicht an eine längere Vorgeschichte. »Wir haben jedenfalls nichts davon gemerkt und wenn wir etwas gemerkt hätten, wären die Konsequenzen die gleichen gewesen.« Auch die Spieler selbst trugen nur bedingt zur Aufklärung der Ereignisse bei.

»Glauben Sie ernsthaft, dass wir alle rechts sind?«

»Wir haben mehrmals gefragt, wie es dazu kommen konnte und haben bislang keine plausible Erklärung erhalten«, so Stephan Guth. Aus den Gesprächen mit den Jugendlichen sei nicht eindeutig hervorgegangen, was sie dazu veranlasst hat, der Aufforderung ihres Co-Trainers nachzukommen. Stattdessen hätten die Spieler eine Gegenfrage gestellt: »Glauben Sie ernsthaft, dass wir alle rechts sind?«

Das glauben die Leipziger Entscheidungsträger nicht. Allerdings seien die Spieler alt genug, um sich der historischen Bedeutung des Hitlergrußes bewusst zu sein. Deswegen wollen die Verantwortlichen das Verhalten der Jugendlichen zwar sanktionieren, aber »die Spieler als Menschen nicht fallen lassen«, wie es der Vizepräsident formuliert.