Warum Löw bald der größte Nationaltrainer der Geschichte ist

Löws Rekordjagd

Am Sonntag hat Jogi Löw mit seinem 139. Cheftrainer-Einsatz Helmut Schön überflügelt. Nicht mehr lange, dann schreibt Löw auch international Geschichte.

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Man mag es kaum glauben, wenn er da so am Spielfeldrand steht und sich in der Nase popelt, wenn sein südbadischer Zungenschlag selbst die wohlmeinendsten Zuhörer schonnaumal nervt oder wenn er starr nach rechts blickt, während links von ihm Jens Lehmann den Fußball seiner Mannschaft scharf kritisiert. Doch wenn nichts Unvorhergesehenes passiert, dann hat Joachim »Jogi« Löw – über den der Philosoph Wolfgang Eilenberger erst vor zwei Monaten schrieb, dass er noch immer »in tiefe Anerkennungskämpfe verstrickt« ist – eine Chance, als größter Nationaltrainer in die Geschichte einzugehen. Und zwar überhaupt und überall.

Der 3:0-Sieg der deutschen Elf am Sonntag in Norwegen war Löws 139. Länderspiel als Cheftrainer. Damit hat er Helmut Schön eingeholt. Nun liegt nur noch Sepp Herberger vor ihm. Der brachte es – in zwei Amtszeiten – auf 167 Länderspiele. Selbst wenn Löw nach der WM 2018 in Russland zurücktreten sollte, liegt diese Zahl in seiner Reichweite. Bis zum Turnier in Russland gibt es schon 13 feststehende Termine für die Nationalmannschaft. Wenn man nun davon ausgeht, dass das Team beim Confed-Cup 2017 mindestens unter die letzten vier kommt und bei der WM das Viertelfinale erreicht, dann muss der DFB in den nächsten beiden Jahren nur noch läppische sieben Test- oder Freundschaftsspiele ansetzen, um Löw zu Partie Nummer 168 und Platz eins in der ewigen Rekordliste zu verhelfen. Und zwar nicht nur in der deutschen.

280 Länderspiele auf dem Buckel

Zwar gibt es so einige Nationaltrainer auf dieser Welt, die der Mann aus Schönau im Schwarzwald wohl niemals einholen kann, denken wir nur an Bora Milutinović oder Carlos Alberto Parreira, die jeweils mehr als 280 Länderspiele auf dem Buckel haben. Aber diese beiden haben auch viele verschiedene Mannschaften trainiert: Parreira war in sechs Ländern Nationalcoach, Milutinović sogar in acht. Schaut man sich aber an, wie oft ein bestimmter Trainer eine einzige Mannschaft betreut hat, dann schrumpft die Liste der Männer, die auch nur auf 100 Länderspiele kommen, rasant zusammen.

So ist zum Beispiel Vittorio Pozzo dafür berühmt, dass er sage und schreibe 19 Jahre lang Nationaltrainer von Italien war und in diesem Zeitraum (1929-1948) zwei WM-Titel gewann. Ersteres ist Europarekord, Letzteres sogar Weltrekord. Trotzdem stand Pozzo nur bei 97 Spielen an der Seitenlinie. Und selbst der legendäre Argentinier Guillermo Stábile, der von 1939 bis 1960, also nahezu unfassbare 21 Jahre lang, Nationaltrainer seines Landes war, kann Herberger (und Löw) nicht das Wasser reichen. Die Statistiker sind sich zwar uneins, wie oft Stábile Argentinien betreute, aber ob das nun 123-mal oder 127-mal der Fall war, er darf keine Ansprüche auf einen Spitzenplatz geltend machen.

Wer bewegt sich überhaupt in löwschen Regionen?

Wer aber könnte das? Wer bewegt sich überhaupt in löwschen Regionen, ganz zu schweigen von herbergerschen? Die in der Regel verlässliche Statistikorganisation RSSSF schreibt Hugo Meisl 155 Spiele als Nationaltrainer von Österreich gut. Das aber ist die Ausnahme, die die Regel bestätigt, denn hier irrt RSSSF. Meisl hatte nur 133-mal das Sagen. (Für alle Nerds, die es wirklich, wirklich, wirklich genau wissen wollen: RSSSF zählt für Meisl auch diverse Spiele gegen Ungarn und die Schweiz zwischen 1914 und 1918, bei denen aber Heinrich Retschury als Nationaltrainer fungierte – weil Meisl als Soldat im Krieg war.)