Warum Lewis Holtby für den HSV so wichtig ist

Der Lieblingsschüler

Die Beziehung zwischen Holtby und seinem Trainer ist eine interessante Symbiose. Die beiden kennen sich schon lange, Titz war früher Holtbys Personal Trainer. Dementsprechend gut weiß er über ihn Bescheid: »Lewis ist ein sehr starker Kopfmensch, ihn muss man auch mal in den Arm nehmen, ihm Mut machen. Nur dann kann er von einem Tag auf den anderen für eine Mannschaft wertvoll sein«, sagt er über seinen ehemaligen Schützling. »Ich kenne ihn schon seit Jahren, er ist ein Spieler mit einer hohen Qualität. Es ging darum, diese wieder freizulegen.«

Scheinbar hatte er recht – und es geschafft. Mittlerweile ist Holtby laut Titz der »emotionale Anführer des Teams«, trägt die Mannschaft. Auch als er seine Aussagen nach dem Wolfsburg-Spiel als »überzogen« kritisierte, fügte er hinzu: »Du brauchst auch Charaktere, die mal über das Ziel hinausschießen.«

Titz’ Risiko

Wie sehr Titz im Abstiegskampf auf emotionale Typen vertraut, zeigt sich an Holtbys Einsatzzeiten: Während er, mal verletzungs-, mal leistungsbedingt vor dessen Übernahme diese Saison nur acht Spiele machte, stand er seitdem in allen sechs Partien in der Startelf, fünfmal über 90 Minuten plus Nachspielzeit.

Damit ging der neue Coach ein gewisses Risiko ein. Hätte Holtby nicht eingeschlagen, wäre wegen der gemeinsamen Vorgeschichte intern und extern vermutlich schnell von Bevorzugung und Lieblingsspieler gesprochen und geschrieben worden. Das Hamburger Umfeld ist nicht gerade für seine Besonnenheit bekannt. 

Gutes Pressing, bessere Spielkontrolle, noch besseres Arschaufreißen

Doch wegen des gegenseitigen Vertrauens ist der ehemalige Lieblingsschüler für seinen Coach und dadurch für den HSV zum Leader auf dem Platz geworden. Endlich liefert Holtby wieder das, was ihn früher von Aachen nach Schalke, in die Nationalmannschaft und nach London katapultierte: die gekonnte Balance aus Defensivarbeit und Offensivfreude. Gutes Pressing, bessere Spielkontrolle, noch besseres Arschaufreißen. 

Weil er das Vertrauen des Trainers spürt, hat er das in seine eigenen Fähigkeiten wiedererlangt. Erst brachte er die Hoffnung zurück nach Hamburg, jetzt kann er den HSV in die Relegation führen. Oder sogar noch auf direktem Wege zum Klassenerhalt. Holtby selbst glaubt zumindest »zu hundert Prozent an die Rettung«. 

Würde man zur Abwechslung mal einen Artikel mit der Überschrift »So steigt der HSV dieses Wochenende nicht ab« verfassen, könnte der Inhalt so zusammengefasst werden: mit einem Sieg - dank eines starken Lewis Holtby.