Warum Lewes FC seinen Frauen das gleiche bezahlt

Equality FC

Lewes FC ist der erste Fußballverein der Welt, der den Spielerinnen das gleiche Gehalt bezahlt wie den Spielern. Kann der Achtligist damit zum Vorreiter werden?

equalityfc.com

»Am Anfang«, erinnern sich Charlie Dobres und Stuart Fuller, »hatten wir keine Ahnung, wie man einen Fußballverein leitet.« Die beiden Männer tragen keine Krawatten, relativieren nicht jede Aussage und wirken nicht wie Vorstandsvorsitzende. Ihr Verein, der 1885 gegründete Lewes FC, stand vor zehn Jahren vor dem Aus. Bis dahin hatte man viel Geld für den Traum von höheren Ligen verschleudert, bis die wohlhabenden Mäzene aufgrund der Weltwirtschaftskrise ihre Unterstützung beendeten. Dobres und Fuller, die sich damals wie heute eher als Fans sehen, wollten helfen und ließen sich als Kandidaten für die Vereinsführung aufstellen. »Gerade dadurch, dass wir nicht aus dem Fußballgeschäft kamen, stellten wir Fragen, die niemand anderes stellte.«

Fragen wie: »Warum müssen Fußballvereine eigentlich Schulden anhäufen?« oder »Warum müssen Spielerinnen weniger verdienen als Männer?« Was sich daraus im Laufe der Zeit entwickelte, war ein Konzept, das konträr zu denen der anderen Fußballvereine steht – und das ist genau die Absicht von Lewes FC. Zuerst änderten sie die Vereinsstruktur, sodass aus dem Klub ein gemeinschaftliches und demokratisch bestimmtes Eigentum wurde. So kann man für 30 bis 1.000 Pfund im Jahr Teilbesitzer von Lewes FC werden und der Verein existiert, ohne von einem großen Geldgeber abhängig zu sein. Gleichzeitig gibt das Mitglied durch seine Teilnahme ein Statement ab: Gegen die Entfernung des Fußballs von seinen Anhängern, hin zur Selbstbestimmung.

»Wir wollen Fußball, wie er früher war, wie er sein sollte«

»Wir wollen Fußball, wie er früher war, wie er sein sollte, wie er sein kann. Und wenn Du das auch willst, dann wollen wir Deine Hoffnung sein«, sagt Dobres und klingt dabei todernst. Man findet ihn, wie die anderen Vorstandsvorsitzenden seines Klubs, bei jedem Spiel auf denselben Rängen wie die Fans, die Spieler trinken nach dem Match mit den Anhängern ein Pint im Vereinslokal. Zudem gibt es nicht nur Fußball, sondern auch gutes Essen und eine mittlerweile große Gemeinschaft von Anhängern, die nicht nur wegen des Spiels kommen.

»Klar ist der Fußball essenziell, aber wir konkurrieren hier nicht nur mit dem Premier League Verein in Brighton, der zehn Minuten mit dem Auto entfernt ist oder mit »SkySports« im Fernsehen, sondern auch mit dem Kino an der Straßenecke«, führt Dobres aus. Von daher müsste man aus dem Rahmen fallen, um Interesse zu wecken. Wie zum Beispiel durch Holzhütten am Spielfeldrand, die man mieten kann und die mit WLAN ausgestattet sind. Oder Spielplakate, die Bekanntes aus der Popwelt aufgreifen und somit auch für Fußballuninteressierte ein Blickfang sind.



Gleiches Gehalt für alle – warum eigentlich nicht?


Der mediale Hype um den kleinen Verein, dessen Männer in der achten und Frauen in der dritten Liga spielen, begann vor einem halben Jahr, als die Vereinsleitung beschloss, Frauen und Männern das Gleiche zu bezahlen. » Der Spieleretat der Männermannschaft soll nicht gekürzt, sondern das Gehalt der Frauenmannschaft auf das der Männer angehoben werden. Die Mannschaften sollen gleiche Trainingsbedingungen haben und im gleichen Stadion spielen. Das gilt ebenso für die Jugendmannschaften«, sagt Dobres. Das Ganze nannten sie passend Equality FC. Die Idee dahinter: Die 70.000 Pfund, die man für das Anheben der Spielerinnengehälter benötigte, würden durch steigende Mitgliedszahlen und Sponsorengelder zustandekommen. Man rechnete mit der breiten Zustimmung der Gesellschaft – und man behielt recht.

Seit Juli vergangenen Jahres sind Mitglieder- und Zuschauerzahlen sowie Sponsorengelder stetig gestiegen. Das Team der Männer ist seit 14 Spieltagen Tabellenführer, das der Frauen zieht mehr Zuschauer an als die Frauenfußballmannschaft von Arsenal. Die Stimmung auf und neben dem Platz ist hervorragend, die Bewohner der Stadt sind stolz auf Ihren Verein und seine Einstellung. »Mittlerweile«, sagt Fuller und Dobres nickt zustimmend, »kennen wir uns besser im Amateursport aus als 90 % unserer Konkurrenz.«