Warum Leverkusen Mitchell Weiser trotz schwacher Saison verpflichten will

»Wie soll ich das Peter Pekarik erklären?«

»Er hat zwei richtig gute Jahre hier gehabt«, sagt Michael Preetz über den früheren Münchner, den er im Sommer 2015 ablösefrei vom FC Bayern verpflichtet hat. Die aktuelle Spielzeit sei hingegen etwas durchwachsen, findet Herthas Manager. »Er ringt im Moment ein bisschen um seine Verfassung.« Trainer Pal Dardai hat Weiser oft als »kleinen Spielmacher« bezeichnet, der mit überraschenden Moves von der Außenbahn in die Mitte die defensive Ordnung des Gegners destabilisiert hat. Zuletzt aber ist Weiser das nur noch selten gelungen. In dieser Saison kommt er auf ein Tor und zwei Vorlagen; an einem Treffer seiner Mannschaft war er in zuletzt Anfang November beteiligt.

Am Wochenende hat Dardai Weiser sogar schon zur Pause vom Platz genommen. Ausgerechnet gegen den 1. FC Köln. Gegen den Verein, für den er 2012 sein Debüt als Profi gegeben hat, dessen jüngster Bundesligaspieler er bis zum Herbst war - und dessen Fans ihn seit seinem Wechsel zu den Bayern hemmungslos niederpfeifen. »Wir können niemanden spielen lassen, der uns unsicher macht«, hat Dardai die vorzeitige Auswechslung begründet. Die Statistik bei Toren, Vorlagen, Stellungsfehlern habe nicht für Weisers Weiterbeschäftigung in diesem Spiel gesprochen. »Wie soll ich das Peter Pekarik erklären?«, fragt Dardai. »Peka macht nie einen Stellungsfehler. Er schlägt auch ordentliche Flanken, und er hat diese Saison genauso viele Tore vorbereitet wie Weiser.«

Weiser 2.0

Den auslaufenden Vertrag mit Pekarik hat Hertha bereits verlängert. Bei dem 31 Jahre alten Slowaken weiß man, was man bekommt: keine große Kunst, dafür ein hohes Maß an Verlässlichkeit, vor allem in der Defensive. Für eine offensivere Interpretation der Position gäbe es im aktuellen Kader Valentino Lazaro, der in Salzburg Erfahrungen als Rechtsverteidiger gesammelt hat. Der Österreicher wäre so etwas wie Weiser 2.0. »Tino ist ein ähnlicher Spieler, aber sogar noch schneller und dynamischer«, sagt Dardai über Lazaro. »Und er ist auch sehr zuverlässig.« Zudem gibt es Gerüchte, dass Hertha an Lukas Klünter, 21, vom 1. FC Köln interessiert ist, ebenfalls U-21-Europameister.

Mitchell Weiser könnte schon bald Vergangenheit sein. »Was wir ihm gegeben haben - Spielzeit, Vertrauen -, das kriegen junge Spieler selten. Er kann uns nichts vorwerfen«, sagt Dardai. Der Ungar wirkte zuletzt erkennbar genervt, wenn er wieder und wieder auf Weiser und dessen dürftige Leistungen angesprochen wurde. Nein, sagte er, es werde kein Einzelgespräch mit ihm geben. Dardai hat sich auf nonverbale Kommunikation beschränkt. Diese Woche im Training wurde Weiser kurz vor dem Tor von Julian Schieber rüde umgesenst. Es hätte Elfmeter geben müssen, Weiser schaute zu Schiedsrichter Dardai. Doch der winkte nur mit den Händen. Weiterspielen.