Warum langweilt uns die Weltfußballer-Wahl?

Maulen ist menschlich

Nicht der würdige Sieger Lionel Messi ist das Problem des Ballon d´Or. Sondern ein antiquiertes Wahl-System.

imago

Erfolg macht sexy. Zu viel Erfolg macht langweilig. Ganz besonders im Sport, wo der Reiz doch darin liegt, dass aus Siegern Verlierer und aus Verlierern Sieger werden. Und nicht Sieger zu Siegern.

Beispiel Spanien: erst gefeiert, dann angeödet

Als die spanische Nationalmannschaft 2008 Europameister wurde, galt ihr Spielstil als revolutionär und richtungsweisend. Als sie vier Jahre später, inzwischen auch amtierender Weltmeister, das Kunststück wiederholte, maulte die Öffentlichkeit über den angeblich öden spanischen Fußball. Dabei war die Mannschaft eben immer noch unbezwingbar.

Ähnliches widerfährt aktuell auch dem FC Bayern. 2013, in der Triple-Saison, wurde die neue Dominanz der Münchener noch bewundert. Inzwischen sorgt der andauernde Siegesrausch – zumindest auf nationaler Ebene – für Langeweile. Maulen ist menschlich.

Jetzt hat es sogar Lionel Messi erwischt. Nachdem der Argentinier zum fünften Mal in seiner Karriere als bester Fußballer der Welt ausgezeichnet wurde, veröffentlichte »Spiegel Online« einen Kommentar von Andreas Evelt. Überschrift: »Monoton und mutlos«. Inhalt: Warum immer Messi oder Ronaldo? Denkt denn keiner an die Defensivspieler? Wie öde ist das alles.

Niemand kann dieses Spiel besser als Messi

Monoton und mutlos, das muss hier erwähnt werden, sei nicht der Fußballer Messi, sondern die Wahl an sich. Schließlich seien Torhüter (wie Manuel Neuer) oder Abwehrspieler (wie Jérôme Boateng) für den Erfolg einer Mannschaft ebenso entscheidend wie die Offensivler Messi, Ronaldo und Neymar (die drei standen zur Wahl des Weltfußballers). Die Kritik ist verständlich. Aber sie ist nicht berechtigt. Denn selbstverständlich ist Lionel Messi der beste Fußballer des Planeten. Er ist das große Genie unserer Zeit. Dieses Spiel wurde einst erfunden, um einen Ball mit den Füßen zu bearbeiten. Niemand tut das kunstvoller als Messi, niemand effizienter, niemand erfolgreicher. Selbst die ebenfalls unglaublich talentierten Ronaldo, Neymar und wie sie alle heißen kommen nicht an den Stürmer vom FC Barcelona heran.

Und darum geht es ja bei dieser Wahl: den einen Weltfußballer zu finden und zu ehren. Dass Messi seit 2007 fünfmal Erster und viermal Zweiter bei dieser Wahl wurde, mag anöden. Richtig ist es dennoch. Und kein aktiver Profi dürfte das bestreiten.