Warum läuft es beim BVB so schlecht?

50 Prozent Pech, 50 Prozent Krise

Borussia Dortmund hat in sieben Bundesligaspielen nur sieben Punkte geholt. Steckt der BVB in einer Krise oder ist alles nur dem Zufall geschuldet? Wir blicken auf Statistiken, Spielsysteme und Jürgen Klopp.

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In der Länderspielpause befand sich ungefähr jeder zweite Bundesligaverein in der Krise. Schalke 04? Krise! Der VfB Stuttgart? Krise! Werder Bremen? Krise! Besonders hart hat es Borussia Dortmund getroffen. Nach nur sieben Punkten aus sieben Spielen klafft eine enorme Lücke zwischen Erwartung der Öffentlichkeit und der Punkteausbaute.

Doch schaut man sich die Statistiken des BVB an, fällt auf: Bei fast allen wichtigen Kennzahlen steht der BVB ähnlich da wie in der vergangenen Saison. Die Passquote ist stabil, ebenso das Torschussverhältnis. Nur die Bayern konnten sich mehr Torschüsse erarbeiten als der BVB, bei den zugelassenen Torchancen liegen sie hinter Leverkusen und München auf Rang drei. Gerade letztere Statistik steht in herben Kontrast mit der Dortmunder Gegentorbilanz – mit zwölf Gegentreffern liegen sie auf dem drittletzten Rang hinter Hertha (14) und Werder Bremen (16). Wie lässt sich diese Diskrepanz erklären?

Patzer in der Defensive

Die Dortmunder Gegentore in dieser Saison bieten jede Menge Material für die Sendung »Pleiten, Pech & Pannen«. Defensive Schnitzer sind nicht die Ausnahme, sondern die Regel. So lädt der BVB mit teils aberwitzigen Fehlpässen oder Stellungsfehlern den Gegner zu einfachen Treffern ein. Zwar haben die Dortmunder Gegner quantitativ wenige Chancen, dafür sind diese von der Qualität her umso größer.

Die defensiven Probleme der Dortmunder wurzeln jedoch noch tiefer. So greift auch das eigentliche Prunkstück der Dortmunder, das aufwendige Pressing, nicht vollends. Wie eh und je stören die Dortmunder aggressiv in der gegnerischen Hälfte, können aber weniger Ballgewinne verbuchen als vergangene Saison. Zum einen funktionieren die Laufwege noch nicht perfekt; kein Wunder, schließlich müssen sich Ciro Immobile, Adrian Ramos und auch der zurückgekehrte Shinji Kagawa erst mit dem Dortmunder System anfreunden.

Zum anderen lassen die Gegner den Dortmundern immer weniger Chancen, ins Pressing zu gelangen. Lange Bälle gelten mittlerweile als Standardmittel, um dem BVB keine Ballgewinne in der gegnerischen Hälfte zu ermöglichen. Der Hamburger SV trieb dieses Vorgehen auf die Spitze: Am Ende hatten sie mit 50 Prozent Passgenauigkeit einen Wert, der eher nach Kreis- denn Bundesliga klingt. Doch die Strategie ging auf: Man zwang Dortmund, selbst das Spiel zu machen – und das liegt ihnen momentan gar nicht.

Fehlende Kreativität

Der Spielaufbau ist vielleicht das größte Manko der Dortmunder. Hier zeigen sich die Auswirkungen der Verletztenmisere besonders stark: Dortmund fehlen kreative Optionen im Zentrum, um von dort aus das Spiel zu lenken. Olli Kirch war eigentlich als Ersatzmann für den verletzten Nuri Sahin gedacht, der wiederum eigentlich nur Ersatzmann des langzeitverletzten Ilkay Gündogan war. Durch Kirchs Verletzung kann der BVB auf der Sechserposition nur Spieler aufbieten, die ihre Stärken eigentlich in der Defensive haben, wie Sven Bender oder Sebastian Kehl. Milos Jojic konnte diese Lücke nicht füllen.

So muss der BVB das strategisch wichtige Zentrum entweder mit langen Bällen oder über die Flügel umgehen. Zwar schlägt der BVB am zweithäufigsten Flanken, Ertrag konnte man hieraus jedoch keines schlagen. Die Lücke im zentralen Mittelfeld macht es schwerer, Shinji Kagawa im offensiven Mittelfeld einzusetzen.