Warum Köln oben mitspielt

Spitzenzweiter

Wenn et klapp, dann klapp et! Vier Gründe, warum der 1. FC Köln plötzlich ganz oben mitspielt.

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Gefühlt waren die Kölner ja schon oft in der Champions League. Zwei Siege am Stück und die Fans träumen bereits von der Champions League – so das alte Klischee eines Effzeh-Fans. In den vergangenen Jahren haben die Kölner jedoch Demut gelernt. Abstieg, Wiederaufstieg, Wiederabstieg – der Kölner war plötzlich zufrieden damit, irgendwo im Nirgendwo der Tabelle zu landen.

Nun ist sie wieder da, die alte Kölner Euphorie. Man träumt von Europa – und das ist momentan nicht mal Größenwahn. Nach sieben Spieltagen sind die Kölner noch immer ungeschlagen. Mit dem 2:1-Sieg gegen Ingolstadt schoben sich die Kölner sogar auf Rang zwei. Was sind die Gründe für den Höhenflug?

1. Die strategische Flexibilität

Viele Bundesligisten haben das Problem, das sie nur eine Strategie beherrschen. Entweder sie sind stark im Kontern – oder sie können einen defensiven Gegner knacken. Vielen Mittelfeld-Teams fer Liga fehlen die spielerischen Mittel gegen totaldefensive Gegner. Die Bayern und Dortmund wiederum tun sich aktuell schwer damit, ihr Ballbesitzspiel mit Konter-Elementen zu verfeinern.

Die Kölner gehören zu den wenigen Teams in der Bundesliga, die beides beherrschen. Am wohlsten fühlen sie sich, wenn sie ihre Abwehrketten hinter der Mittellinie aufbauen können. Dann können sie ihre pfeilschnellen Konter über die Flügel einleiten. 

Doch auch gegen defensive Gegner haben sie einen Plan. Am Wochenende überlisteten sie totaldefensive Ingolstädter. Die Schanzer verbarrikadierten sich in einem 4-5-1 am eigenen Strafraum, Köln hatte statt der gewöhnlichen 40% Ballbesitz plötzlich 60%. Doch kein Problem: Köln verfügt über ein gutes Aufbauspiel, hat Geduld, überzeugt mit einer Mischung aus Ruhe und plötzlichen Läufen in die Spitze. Das ist die vielleicht größte Stärke der Kölner: Egal, ob der Gegner den Ball haben will oder nicht – Köln hat die passende Strategie als Antwort.

2. Die taktische Flexibilität

Nicht nur auf der strategischen Ebene sind die Kölner flexibel, sondern auch in den taktischen Details. Peter Stöger hat in den vergangenen Jahren seinem taktischen Fundament immer neue Facetten hinzugefügt. Begannen seine Kölner als Kontermannschaft im 4-2-3-1, beherrschen sie jetzt verschiedenste Formationen. Köln kann binnen weniger Augenblicke von Dreier- auf Viererkette und wieder zurück wechseln.

Dass Stöger diese taktische Flexibilität einzusetzen weiß, bewies er gegen Ingolstadt: Köln begann in einem 4-4-1-1-System. Sie kamen damit nicht an den mauernden Ingolstädtern vorbei. Stöger beorderte Jonas Hector an die Seitenlinie und schickte ihn ins offensive Mittelfeld. Köln stellte damit auf ein 3-4-1-2-System um. 

Der Kniff funktionierte: Die Außenverteidiger agierten im neuen System wesentlich offensiver, drückten Ingolstadt auf den Flügeln nach hinten. Das öffnete Räume im Mittelfeld, die Köln dank dem zusätzlichen Achter Hector ausnutzen konnte. Hector leitete aus dem Zentrum das 1:0 ein, das 2:0 gelang Köln kurze Zeit später per Elfmeter. Nach dieser beruhigenden Führung konnte Stöger wieder auf das defensiv stabile 4-4-1-1 zurückstellen. Selbst wenn Plan A nicht funktioniert: Stöger hat Plan B und C stets in der Tasche.