Warum Klopp mit Liverpool plötzlich in der Krise steckt

Das verwundete Tier

Die Mannschaft vom FC Liverpool wirkt vor dem richtungsweisenden Spiel gegen Chelsea erschöpft und fassungslos. So schwierig war es für Jürgen Klopp in England noch nie.

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Schlechter kann es nicht werden. So lautete die Schlagzeile der »Sunday Express« am letzten Wochenende. Daneben war ein Foto von Jürgen Klopp zu sehen. Von dem knurrenden, wütenden Jürgen Klopp, dessen FC Liverpool am Samstag aus dem FA Cup geflogen war.

Es läuft in diesem Monat tatsächlich sehr schlecht für Klopp. Mit nur einem Sieg in acht Spielen erlebt Liverpool den schwersten Januar seit 1993. Durch Niederlagen gegen den FC Southampton und den Zweitligisten Wolverhampton Wanderers ist die Mannschaft innerhalb einer Woche aus zwei Pokalwettbewerben ausgeschieden. In der Liga verloren die Reds zuletzt gegen die abstiegsgefährdete Truppe aus Swansea.

»An unserer Qualität ändert sich gar nichts.«

Doch könnte es sogar noch schlechter werden für den Verein und seinen deutschen Trainer. Und zwar schon in ein paar Stunden im Spiel gegen den FC Chelsea. Eine Niederlage gegen den dominanten Tabellenführer würde nicht nur die Hoffnung auf den Titel begraben, sondern auch die schlechteste Heimserie seit 1923 vollenden.

Davon zeigt sich Jürgen Klopp bisher unbeeindruckt. »Wir haben noch einen sehr guten Kader, und ich bin noch ein ziemlich guter Fußballtrainer,« sagte er nach dem Pokalaus gegen die Wolves. »Nach drei Niederlagen in Folge ist die Stimmung zwar anders, aber an unserer Qualität ändert sich gar nichts.«

Das mag sein. Allerdings hat sich in den letzten zwei Monaten offensichtlich etwas verändert. Zwischen August und Dezember verloren die Reds kein einziges Spiel. Es wurde zwischendurch Fußball gespielt wie zu Klopps besten Zeiten in Dortmund. Beim Anzünden der ersten Adventskerze war Liverpool noch Chelseas größter Herausforderer, mit nur vier Punkten Rückstand auf den Tabellenführer.

Der Januar brach an, die Hölle brach los

Acht Wochen später beträgt der Rückstand zehn Punkte. Die Mannschaft hat im berüchtigt brutalen Winter des englischen Fußballs jede Spur der einstigen Leichtigkeit verloren. Zwar gewann Liverpool vier seiner sechs Spiele im Dezember, aber danach war eben Schluss. Der Januar brach an, die Hölle brach los.

Klopp hatte sich auch in seinem ersten Jahr über das volle Weihnachtsprogramm der Premier League beschwert. Doch erst in diesem Horror-Januar bekam er wirklich zu spüren, wie schwer die Belastung sein kann. Um 14 Spiele in acht Wochen im Klopp-Tempo zu überleben, muss ein Kader wirklich ausschließlich von Topspielern besetzt sein. Der eine oder andere Philippe Coutinho oder Roberto Firmino reicht nicht aus.

Auch auf seine afrikanischen Stars wie Joel Matip und Sadio Mané musste Klopp wegen des Afrika Cups verzichten. Verzweifelt hat er im Januar versucht, seine Mannschaft aus der Krise zu rotieren. In den Pokalspielen schonte er viele Topspieler.