Warum Katar so viel Geld in den Fußball investiert

Der Einfluss der »Aspire Academy«

Auch der FC Barcelona hat enge Verbindungen nach Katar. 2011 verkauften die Katalanen zum ersten Mal in der Klubgeschichte den begehrten Platz auf der Vorderseite des Trikots. Nach Jahren der kostenlosen Werbung für das Kinderhilfswerk Unicef wurde die »Qatar Foundation« Brustsponsor bei Barca. Ab 2013 warben Messi und Co. für »Qatar Airways«. Der Schriftzug der Fluggesellschaft findet sich auch auf dem Trikotärmel des FC Bayern, der seinerseits ebenfalls gute Kontakte ins Emirat unterhält und ebenso wie zwischenzeitlich auch der FC Schalke 04 regelmäßig zu Trainingslagern nach Katar reist.

Der deutsche Rekordmeister trainierte beispielsweise in der Vergangenheit auf dem Gelände der »Aspire Academy«, einer Sportstadt in der Nähe von Doha. Der Komplex umfasst mehrere Trainingsplätze, eine Schwimmhalle, Laufstrecken und ein Stadion, das 50.000 Zuschauern Platz bietet. Der »Aspire Dome« ist eine der größten Multifunktionshallen der Welt. Die Akademie soll ihren Beitrag dazu leisten, den Spitzensport in der Welt zu fördern. In der internationalen Sportwirtschaft verfügt Katar damit über ein echtes Faustpfand. 

Spurs-Trainer Mauricio Pochettino sagte beim »Aspire Academy Global Summit« über die Sportförderung des Emirats: »Jedes Mal, wenn wir nach Katar und zu Aspire kommen, fühlen wir uns ermutigt durch die Vision, Planung und Leidenschaft, das dieses Land für die Entwicklung zeigt.« Und auch beim ehemaligen Nationaltrainer Jürgen Klinsmann scheinen die Bemühungen Katars auf fruchtbaren Boden gefallen zu sein. Der einstige Stürmer zeigte sich vorfreudig, er erwarte eine »WM der Extraklasse«. 

Ein katarisch-afrikanisch-belgisch-deutsches Geflecht

Eines der am breitesten angelegten Programme fährt Katar in Belgien: Seit 2012 kooperiert die Akademie mit dem ostbelgische Provinzklub KAS Eupen, »Aspire« übernahm alle Anteile. Seitdem werden dort insbesondere afrikanische Fußballtalente ausgebildet, die sich durch die Teilnahme an einer europäischen Liga verbessern sollen. Der Verein dient zu Ausbildungszwecke für Talente, die Katar vorher in Afrika gescoutet hat. Eupen ist der Verein, der die Spieler aus Katar nach deren Ausbildung in der »Aspire Academy« aufnimmt und ihnen professionelle Wettkampfbedingungen anbietet. Der Deutsche Andreas Bleicher, Direktor der »Aspire Academy«, ist ebenfalls beim belgischen Verein aktiv – und füllt damit eine Doppelrolle aus. »Ich bin Vorstand von Eupen, arbeite aber für Katar«, sagte er Anfang 2016 dem »Deutschlandfunk«. Dass die Talente später einmal als eingebürgerte Nationalspieler für Katar auflaufen sollen, dementieren die Verantwortlichen. Doch dass die Kataris sich nur aus reiner Nächstenliebe um junge afrikanische Fußballer kümmern, darf zumindest angezweifelt werden.

Obwohl Katar keine Sportnation ist, investiert das Emirat also jede Menge Geld – in sportliche Großveranstaltungen, Fußballvereine oder Sportförderungsprogramme. Die Scheichs tun das wahrscheinlich weniger aus Interesse an sportlichem Erfolg, guten Leistungen oder Ausbildungsidealen – im Vordergrund stehen ganz klar politische und wirtschaftliche Interessen. Gleichzeitig konnte sich das Emirat vom Vorwurf der Terrorismusfinanzierung nie so ganz freisprechen, Arbeitsrechte von Migranten werden im Umfeld der WM-Baustellen sowieso missachtet. Katar tut also gut daran, zur Abwechslung auch mal positive Schlagzeilen zu schreiben – mit Paris Saint-Germain, der »Aspire Academy« und schlussendlich auch der WM in drei Jahren verfügt das Emirat über drei starke Hebel, um die internationale Wahrnehmung zu verbessern.

Die Weltmeisterschaften in Handball und Leichtathletik haben bereits aufgezeigt, dass Sportveranstaltungen in Katar nicht so sind wie anderswo. Die Fußball-WM 2022 findet immerhin im Winter statt, was schon einmal niedrigere Temperaturen garantiert – ob der Sport sich aber einen Gefallen damit tut, Katar auf diese Weise zu hofieren, steht auf einem anderen Blatt. In jedem Fall wird die Welt dann noch intensiver auf das kleine Land am Golf schauen, in dem der Fußball wenig Tradition hat, aber trotzdem als wichtiges Schmiermittel erkannt worden ist.