Warum Kaiserslautern wieder an den Klassenerhalt glaubt

Ausgerechnet Frontzeck

Michael Frontzeck gilt als historisch schlechter Bundesliga-Trainer. Jetzt bastelt er mit dem FCK an einem Comeback für die Geschichtsbücher.

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Nicht jeder Coach mit Glatze kann ein katalanischer Kurzpassprediger sein. So ein Kurzpassspiel braucht schließlich spielerische Qualität. Qualität, die Geld kostet. Und das – ist am Betzenberg traditionell knapp. Michael Frontzeck hat in Kaiserslautern an kleineren Stellschrauben gedreht.

Etwa nimmt der 1. FCK sich jetzt mehr Zeit für seine Auswärtsfahrten. »16 Stunden vor Spielbeginn anzureisen, reicht nicht aus«, erklärt Frontzeck. Die Punkteausbeute gibt ihm grundsätzlich nicht Unrecht. Neun Punkte aus fünf Auswärtsspielen sind keine schlechte Bilanz. Dummerweise setzte es die beiden Pleiten ausgerechnet gegen die direkte Konkurrenz aus Aue und Fürth.

Wer will den Job?

Frontzeck und die Punkte sind ohnehin eine Sache für sich.  0,95 holte er im Schnitt in seinen 159 Spielen als Erstliga-Trainer. Kein Übungsleiter mit mehr als 100 Bundesligaspielen an der Seitenlinie ist schlechter. Wer so eine Bilanz mit sich rumschleppt, ist auf dem Trainermarkt selten erster Ansprechpartner.

Auch sein aktueller Arbeitgeber ist über Umwege beim 54-Jährigen gelandet. Erst die Herzrhythmusstörungen des damaligen Coach Jeff Strasser zwangen Kaiserslautern, kurzfristig nach Ersatz zu suchen. Emotional schwierige Situation, Tabellenletzter mit zehn Punkten Rückstand auf den ersten Nichtabstiegsplatz. Einen Trainer zu finden, der diese Aufgabe annimmt, ist selbsterklärend schwierig. Frontzeck nimmt sie an.

Der Abstand ist immer noch groß

Und meistert sie bisher sogar mehr als ordentlich. Nach neun Spielen liegt er im Schnitt bei 1,78 Punkten. Hätte der 1. FC Köln in den letzten neun Spielen 1,78 Punkte pro Partie geholt, lägen die Domstädter heute auf Kurs Klassenerhalt. Es ist der Leistungsdichte der 2. Bundesliga geschuldet, dass Kaiserslautern immer noch sechs Zähler von Relegationsrang 16 trennen.

Dort würde aktuell der 1. FC Heidenheim landen, der am 33. Spieltag auf dem Betzenberg zu Gast ist. Wenn Frontzeck seinen Schnitt hält (den Neuen, nicht den Alten), hat der FCK sein Schicksal dann womöglich selbst in der Hand.