Warum Julian Nagelsmann fies ist

Bloß keine Routine einkehren lassen

Lange Zeit war Hoffenheim in dieser Saison ungeschlagen. Und Nagelsmann? Scherte sich darum - glaubwürdig - einen pantomimischen Klimmzug. Seine Mannschaft setzt in den meisten Spielen das um, wovon die Trainer landauf, landab in feuchten Träumen vage fantasieren, spielt dem Gegner angepasst flexibel und bleibt sich im passsicheren Spiel doch treu. Seine Spieler folgen ihm auf die Haarsträhne. Weil ihr Trainer auf die Kraft der Empathie setzt.

Nagelsmann glaubt an die individuelle Ansprache. Daran, dass jeder Mensch eine ganz eigene Motivation besitzt. Der eine will geliebt werden, der andere möglichst viel Geld verdienen. Nagelsmann weiß darum, ist Menschenkenner genug, daraufhin seine Ansprache auszurichten und setzt darüber hinaus auf wissenschaftliche Methoden. Lässt seine Spieler Fragebögen ausfüllen, die ihm Aufschluss darüber geben, wen er da eigentlich vor sich hat, im täglichen Training. 

Bloß keine Routine einkehren lassen

In dem er natürlich ebenfalls zu überzeugen weiß. Anders als das gemeinhin gepflegte Klischee vom Laptop-Trainer vermuten lässt, pflegt er Berge von Aktenordner, in denen er akribisch über seine Trainingsinhalte und -Übungen Buch führt. Bloß keine Einheit zur Gewohnheit werden lassen. Bloß keine Routine einkehren lassen.

Das alles führt dazu, dass Hoffenheim, dieser Verein, für den sich die Menschen nicht einmal in und um Hoffenheim so wirklich zu begeistern wissen, bereits den halben Boarding-Pass in Richtung Champions League in den Händen hält. Nach dem 3:1-Sieg bei Hertha BSC beträgt der Vorsprung auf Platz fünf schließlich stolze acht Punkte nach 26 Spieltagen. 

Aber die Frisur

Und da ist es, das Elend. Dass man sich denkt, das wäre schon ok. Einfach, weil es dieser Typ, dieser Julian Nagelsmann durch seine Arbeit, durch seine Art verdient hätte. Nur: Es kann nicht sein, was nicht sein darf.

So hofft man, das Fußball-Herz am (vermeintlich) rechten Fleck seiner Romantik, dass er es denen gleicht tut, die er zu Top-Leistungen anleitet. Den Süles, Rudys und Co. Und hofft, dass er schon bald auf einer der Trainerbänke Platz nimmt, die es verdient hätten, einem Typen wie ihm Heimat zu sein. Ob in Dortmund, München oder andernorts, wo der Fußball seinen natürlichen Ursprüngen entstammt und nicht nur Summe einer am Ende doch teuren, leblosen Gleichung ist. 

Nur über die Frisur, über die müsste man dann doch nochmal reden.