Warum Italien doch noch zur Weltmeisterschaft fahren könnte

Der letzte Strohhalm

Nach der britisch-russischen Diplomatenkrise ist ein englischer WM-Boykott denkbar. Italien bringt sich als Nachrücker schon in Stellung – doch die Lage ist verzwickt.

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Glaubt man der russischen Web-Präsenz von McDonald’s, kommt die US-amerikanische Fast-Food-Kette auf sage und schreibe 646 Filialen im Land des WM-Gastgebers. Ob das die dänische Fußball-Nationalmannschaft im Sommer dazu anregen wird, dem nie ganz bestätigten Big-Mac-Mythos der legendären Europameister-Elf von 1992 nachzueifern, sei dahingestellt.

Die Aussichten, dem italienischen Nationalteam an einem russischen Drive-in-Schalter zu begegnen, stehen bekanntlich noch schlechter. Der viermalige Weltmeister hat die Qualifikation für das Turnier in Russland verpasst – und müsste wie Dänemark 1992 schon nachrücken, um es Peter Schmeichel, Brian Laudrup und Co. in Sachen Schnellimbiss gleichzutun.

Die FIFA entscheidet

Völlig ausgeschlossen ist dieses Szenario aber nicht. Italiens Gazzetten beschwören seit dem Relegations-Aus den 7. Artikel des FIFA-Reglements zur Weltmeisterschaft nur allzu gerne herauf: »Bei einem Rückzug oder Ausschluss eines teilnehmenden Mitgliedsverbands entscheidet allein die FIFA-Organisationskommission und trifft die erforderlichen Maßnahmen. Die FIFA-Organisationskommission kann insbesondere den Ersatz des betreffenden teilnehmenden Mitgliedsverbands durch einen anderen anordnen.«

Es sind zwei Sätze, die für Italiens Fußball alles und nichts bedeuten könnten – und alles und nichts aussagen. Denn: Wer zur WM fährt und wer nicht, behält sich der Weltverband demnach selbst vor. Italiens Journaille pocht auf die FIFA-Weltrangliste, in der die Südeuropäer als bestes nichtqualifiziertes Team auftauchen. Das klingt wie ein ganz plausibles Vorrecht – eine Garantie ist das angesichts von Artikel 7 indes nicht.

Nachrücker vom eigenen Kontinent

Bei ihren Planspielen zum möglichen »ripescaggio« (»Wiederauffangen«) bringen die italienischen Medien natürlich auch die Größe und Bedeutung des heimischen Verbands ins Spiel: Die »Azzurri« werden als einzige der acht Weltmeisternationen nicht in Russland vertreten sein. Realistisch gesehen darf sich Italien wohl nur bei einem Rückzug eines europäischen Qualifikanten realistische Hoffnungen machen. Als Ende November ein Gesetzentwurf die WM-Teilnahme Perus in Frage stellte, weil der Fußballverband entgegen der FIFA-Regularien unter staatliche Kontrolle fallen könnte, ging ein Aufschrei durch Italiens Sportlandschaft – der schnell verstummte, als laut über die logische Rangfolge der Nachrückkandidaten nachgedacht wurde.