Warum Holstein Kiel den Transfer des Sommers getätigt hat

Wie Kiel den Südkoreaner überzeugte

Nach dem Spiel ging die Fehlersuche beim Hamburger SV schon wieder los. Lewis Holtby sprach von einem »desaströsen Spiel«. Trainer Christian Titz entschuldigte sich bei allen Fans. Dabei hatte Lee doch gezeigt, wie einfach es auch in der Zweiten Liga gehen kann. Vor dem 1:0 setzte er die Tarnkappe auf, entwischte bei einem Einwurf seinem Gegenspieler und legte den Ball anschließend dem Torschützen auf. Beim 2:0 stand er allein vor Torwart Julian Pollersbeck, täuschte einen Schuss an und legte den Ball in letzter Sekunde rüber. Zwischendurch überlupfte er Verteidiger, spielte mit der Hacke und der Spitze, schoss Pässe in plötzlich frei werdende Räume. Mit jeder Ballberührung drohte man, sich ein bisschen mehr in diesen Spielstil zu verlieben. Eine Liaison an einem warmen Sommerabend.

Immer im gleichen Tempo

Es wirkte, als würde der Südkoreaner, der bei der WM in allen drei Gruppenspielen aufgelaufen war, nur einen einzigen Gang besitzen. Er lief mit unnachahmlicher Leichtigkeit mit kleinen Schritten über den Platz, wie ein aufgezogenes Spielzeug, dessen Energie nie endet. Immer schneller als jeder Hamburger. Als sein Pass zum 2:0 verwertet wurde, änderte Lee seine Geschwindigkeit nicht, jubelte im gleichen Tempo, riss nur kurz die Arme hoch, lief zurück, lief immer weiter.

Kiel hatte in den vergangenen Woche um Lee geworben, es gab auch Angebote aus der Bundesliga. Lee, der zuvor beim koreanischen Klub Jeonbuk Hyundai Motors und unter anderem in der asiatischen Champions League gespielt hatte, soll sich bewusst für den Zweitligisten entschieden haben. Wohl auch, weil er sich körperlich für den europäischen Spitzenfußball noch nicht bereit fühlte.

Angst vor neuen Angeboten

Und weil sich Trainer Tim Walter massiv für den 25-Jährigen eingesetzt hatte. »Wir wissen, was er kann«, wollte der Coach nach dem Spiel nicht allzu viel Freude über die Leistung seines Neuzugangs zeigen. Hinter vorgehaltener Hand deuteten die Mitspieler jedenfalls an, dass Lee im Training noch ganz andere Dinge gezeigt hätte. In Kiel sollen sie bereits fürchten, dass Lee schon im Winter abgeworben wird. Angesprochen auf seine Leistung und den Grund für den 3:0-Sieg, faltete Lee die Hände, verbeugte sich und sagte bescheiden: »Wir haben ein gutes Gegenpressing gespielt.«