Warum Hertha Gladbach so souverän ausbremsen konnte

Hertha einfach zu clever

3. Die Verletzung von Hofmann warf Gladbach aus der Bahn
Jonas Hofmann gehört zu den Gladbacher Entdeckungen dieser Saison. Seit er im zentralen Mittelfeld als Achter auflaufen darf, blüht er auf. Auch gegen die Hertha riss er das Spiel in der Anfangsphase an sich, versuchte Pässe in die Spitze zu spielen. Hertha nahm ihn zwar in enge Deckung, konnte jedoch nicht jede Kombination zwischen ihm und Stindl verhindern.

Gegen die Hertha musste Hofmann jedoch bereits nach 34 Minuten verletzt vom Feld. Sein Ersatzmann Michael Cuisance konnte sich im direkten Duell nur selten durchsetzen. Gladbach ließ Kreativität aus dem Mittelfeld vermissen. Das passt zum Trend dieser Saison: Mit Hofmann auf dem Feld weist Gladbach ein Torverhältnis von 30:13 vor, ohne den Strippenzieher liegt es bei 10:8.

4. Heckings Systemumstellung fruchtete nicht
In der zweiten Halbzeit versuchte Gladbachs Coach Dieter Hecking alles, um das Ruder herumzureißen. Zunächst wechselten Hazard und Plea die Seiten. Gladbach wollte Herthas Asymmetrie ein Schnippchen schlagen. Diese passten ihr 4-2-3-1-System jedoch schnell an die neuen Gegebenheiten an.

Nach dem 0:2 wechselte Hecking Stürmer Patrick Herrmann ein. Er löste damit die Viererkette auf, Gladbach stürmte fortan in einer 3-4-1-2-Formation. Die Abläufe innerhalb dieses Systems funktionieren jedoch nicht so gut wie im angestammten 4-3-3. Gerade vor Gladbachs Abwehr fand Hertha jede Menge Räume für schnelle Konter vor. Anstatt den Anschlusstreffer zu erzielen, musste Gladbach den entscheidenden Treffer zum 0:3 hinnehmen.

5. Die Hertha war einfach cleverer
Es gibt kaum eine schwierigere Aufgabe in der Bundesliga, als einen Rückstand gegen Hertha BSC aufzuholen. Pal Dardais Mannschaft überzeugt mit einer kompakten Defensive und gutem Umschaltverhalten. Von den zehn Partien, in denen Hertha 1:0 in Führung ging, konnten sie sieben gewinnen, fünf davon zu null.

Auch Gladbach bekam zu spüren, wie schwer es ist, Herthas gut verschiebende Viererketten zu knacken. Hinzu kam die Cleverness der Berliner: Sie nahmen Fouls an, ließen sich bei der Ausführung von Freistößen und Einwürfen Zeit. Bereits nach etwas mehr als einer Stunde sah Jordan Torunarigha die Gelbe Karte wegen Zeitspiels. Gladbach fand nicht in den Rhythmus, um die eigene Spielstärke auf das Feld zu bringen.

Nach der klaren Niederlage hofft Hecking, dass ein Lerneffekt bei seiner jungen Mannschaf einsetzt: »Dortmund und die Bayern kennen die Situation, unter den ersten Drei zu stehen, für uns ist das seit langer Zeit das erste Mal. Damit muss man umgehen können. Das haben wir nicht hinbekommen.« Die Hertha war an diesem Nachmittag einfach zu clever für die Borussia.