Warum Hertha die Überraschung der Hinrunde ist

Die hohe Kunst: einen Vorsprung verwalten

3.
Hertha ist flexibler als Mainz
Nach Herthas Führung zeigte sich, warum Hertha in der Tabelle vor Mainz steht. Mainz hatte keinen Plan B. Nach dem Rückstand hätten sie das Spiel gestalten müssen. Stattdessen suchten sie weiter schnell den Weg nach vorne – und verloren schnell den Ball. Es fehlt die Kreativität aus dem Mittelfeld, um ein Spiel auch gestalten zu können. Es half hier auch nichts, dass in der zweiten Halbzeit Mittelfeld-Mann Malli auf der Doppelsechs aushalf. Hertha hingegen kam die Führung zugute. Sie zogen sich weiter zurück und ließen gleichzeitig den Ball in der Abwehr laufen. Mainz biss sich entweder am Herthaner Bollwerk die Zähne aus oder lief vergebens weit in der gegnerischen Hälfte die ballführenden Herthaner an. Kaum ein Team kann einen Vorsprung so gut verwalten wie die Hertha.

4.
Herthas Geheimnisse: Defensive und Chancenverwertung
Auch in dieser Partie konnte sich Hertha auf die zwei Eckpfeiler ihres Erfolges verlassen. Mit nur 18 Gegentoren in 17 Partien stellen sie zusammen mit Ingolstadt die zweitstärkste Defensive der Liga – nur die Bayern ließen weniger Tore zu. Vorne wiederum machen Vedad Ibisevic und Salomon Kalou aus einer halben Chance vier Tore. Hertha ist statistisch gesehen die Mannschaft mit den wenigsten Schüssen aufs Tor, erzielte aber dennoch die viertmeisten Tore. Keine Mannschaft hat eine annähernd so gute Chancenverwertung.

5.
Beide Teams rutschen in der Rückrunde etwas ab
Sollte man nun all sein Geld auf die Hertha und auf Mainz setzen? Nicht unbedingt. Die Mainzer Unzulänglichkeiten wurden in dieser Partie augenscheinlich: Sie bekommen Probleme, wenn sie ihren Plan A nicht durchdrücken können. Als Tabellenachter dürften sie in der Rückrunde nur noch selten als Underdog in die Partie gehen; mehr Teams werden Mainz den Ball überlassen.

Hertha wiederum hat das Problem, dass die Winterpause eigentlich zu früh kommt. Sie befinden sich in einer starken Form. Es wäre ein mittelgroßes Wunder, wenn Herthas Chancenverwertung weiterhin auf diesem hohen Niveau bleibt. Es gibt sogar statistische Belege für diese These: Die »Regression zur Mitte« besagt, dass sich extreme statistische Schwankungen im Laufe der Zeit in der Mitte einpendeln. Der Statistiker James Grayson wies anhand von Statistiken aus über 700 Saisonverläufen diesen Effekt auch im Fußball nach.

Auf Hertha gemünzt könnte das bedeuten: In der Rückrunde werden sie eine weniger extreme Chancenverwertung haben, wodurch bei den engen Spielverläufen der Hertha der ein oder andere Punkt liegen bleibt. Zumindest den Wettanbietern dürfte es gefallen.