Warum Hertha die Überraschung der Hinrunde ist

Na klar: Berlin mal wieder am coolsten

Hertha schießt fast nie aufs Tor und überwintert trotzdem auf Platz drei. Erkenntnisse nach dem Spitzenspiel gegen Mainz 05.

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Der große Gewinner der Hinrunde sind die Wettanbieter. Die Bundesliga hat sich mal wieder als kaum ausrechenbar erwiesen. Klar, die Bayern marschieren vornweg, aber deren Quoten liegen mittlerweile ohnehin bei 1:1,00001. Dahinter geht es wesentlich turbulenter zu. Wer hätte schon gedacht, dass Hoffenheim als Tabellenletzter in die Rückrunde geht? Oder dass Hertha auf Rang Drei und Mainz auf Rang Acht liegt? Am Sonntag kam es zum direkten Duell der beiden Traumvereine eines jeden Buchmachers. Fünf Thesen zum unerwarteten Spitzenspiel Hertha gegen Mainz.

1.
Hertha und Mainz haben mehr Gemeinsamkeiten als Unterschiede
Aus taktischer Sicht lassen sich die Unterschiede zwischen Hertha und Mainz erst auf den zweiten Blick erkennen. Beide Teams treten in einer praktisch identischen Formation an. Gegen den Ball laufen sie in einem 4-4-1-1 auf. Bei Ballbesitz lässt sich der Zehner leicht fallen oder weicht auf die Flügel aus, die Außenstürmer rücken wiederum weiter vor. Die Außenstürmer agieren wiederum als verkappte Stürmer, die oft ins Zentrum einrücken.

Beide Teams spiegeln sich mit diesen Formationen nahezu. Sie sind ein schönes Beispiel, warum die Formation nicht immer etwas über die Taktik aussagt: Während Mainz in dieser Formation eher passiv agiert, interpretiert Hertha sie gänzlich anders. Hertha spielt keinen klassischen Konter-Fußball, sondern agiert sehr flexibel. Mal lassen sie den Ball in der Abwehr laufen, mal greifen sie mit den offensiven Außenverteidiger über die Flügel an, mal schalten sie blitzschnell mit einem langen Ball um. Herthas Ansatz ist flexibler als das konterlastige Spiel der Mainzer.

2.
Duelle zwischen ähnlichen Teams gewinnt man im Mittelfeld
Trotz den Unterschieden fallen im Spiel zweier gleicher Formationen erst die Gemeinsamkeiten auf. Durch die identischen Formationen besetzen die Spieler ähnliche Räume auf dem Feld, es kommt zu zahlreichen direkten Duellen. Oft neutralisieren sich die Teams im Mittelfeld durch enge Deckungen. Ein Großteil solcher Partien spielt sich fünf Grashalme vor und fünf Grashalme hinter der Mittellinie ab.

Auch in dieser Partie war es nicht anders. Mainz lauerte im Mittelfeld auf den Zugriff, Hertha kam zunächst nicht durch. Erst im Laufe der Partie erarbeitete sich Hertha einige Vorteile. Ihre Trumpfkarte war die Ballsicherheit im Mittelfeld. Hertha gewann die Kontrolle über das Mittelfeld und ließ die Mainzer laufen. Dort werden solche engen Spiele entschieden.