Warum Hertha BSC einen neuen Trainer sucht

Sehnsucht nach was Besseres

Hertha BSC sucht - so heißt es - nach einem neuen Cheftrainer. Denn Pal Dardai und das ewige Tabellenmittelfeld passen nicht mehr zum Image des Vereins. 

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Seit zwei Jahren wirbt Hertha BSC mit einem neuen Slogan für seine erste Herrenmannschaft. Der englische Dreiklang »We try. We fail. We win!« soll sowohl hippe Neu-Berliner anziehen als auch die Stehauf-Mentalität des Klubs in Worte fassen. Über diesen Spruch wurde engagiert gestritten, vielen Anhängern war er zu gewollt modern und zu weit entfernt von dem, was die klassische Hertha ausmacht. Zuviel Craft Beer, zu wenig Bulette. Wenn man den Slogan aber mal ganz wörtlich nimmt, muss man konstatieren, dass die Hertha immerhin zwei der drei Produktversprechen in dieser Saison eingelöst hat, nämlich »We try« und »We fail«.

Seltene Klubikone

Weil es im Sport allerdings in der Regel um die dritte Ankündigung geht, nämlich das Gewinnen, wird in diesen Tagen eifrig über die Ablösung des altgedienten Trainers Pal Dardai spekuliert. Zur neuen Saison ein neuer Trainer, so fasste der »kicker« das Branchengeraune zusammen, das zunächst einmal merkwürdig anmutet.

Schließlich ist Dardai für die Hertha kein normaler Trainer, sondern eine der wenigen Klubikonen der Berliner. Er ist mit 286 Bundesligapartien Rekordspieler und arbeitet seit 2012 als Coach für die Hertha. Er übernahm die Bundesliga-Mannschaft 2015 in höchster Abstiegsgefahr, schaffte den Klassenerhalt und sorgte in den Jahren danach dafür, dass aus einer Fahrstuhlmannschaft ein beständiger Bundesligist wurde, der weder in Abstiegsgefahr geriet, noch ernsthaft für die Qualifikation zur Champions League in Frage kam.

Mehr Phantasie und Ehrgeiz

Eine beeindruckende Bilanz, die dazu führte, dass Dardai mittlerweile vier Jahre als Cheftrainer arbeitet. Das ist im atemlosen Bundesliga-Geschäft eine halbe Ewigkeit. Inzwischen jedoch haben sich die Ansprüche des Klubs geändert. Beständigkeit gilt heute als Stagnation, der Klub will mehr sein als nur ein ganz normaler Bundesligist, er will mittelfristig zu den großen Klubs gehören. Deshalb plant die Hertha den Bau eines neuen Stadions, deshalb spricht sie mit Investoren, deshalb setzt sie auf neue Slogans und letztlich eine neue Identität.

Eine dauerhaft im Mittelfeld der Tabelle festgesetzte Mannschaft passt nicht zur Philosophie und zu den Zielen des Klubs – das hat der Sport-Geschäftsführer Michael Preetz immer mal wieder anklingen lassen. Doch Dardai hat diese gestiegenen Erwartungen stets routiniert an sich abtropfen lassen. Kühl verwies er auf enge finanzielle Grenzen, die dem Klub gesetzt seien und pflegte mit Bedacht das Image des volksnahen Pragmatikers. Der Hinweis auf begrenzte Ressourcen war nicht falsch, entsprach aber schon im letzten Jahr nur noch sehr bedingt dem Zeitgeist in der Chefetage. Die wünschte sich deutlich mehr Optimismus und Risikofreude, mehr Phantasie und Ehrgeiz – sowohl beim Trainer als auch auf dem Spielfeld.