Warum hat Thomas Schaaf keinen Erfolg mehr?

Wohin man schaut: Verlierer

Der bisherige U19-Trainer Daniel Stendel übernimmt mit sofortiger Wirkung und darf als Interimslösung die Mannschaft aus der Eliteklasse begleiten. Ob er, der als Spieler mit 96 im Jahr 2002 in die Bundesliga aufgestiegen war, den längst überfälligen Neuanfang des Klubs starten darf, ist jedoch fraglich.

Wie so oft in Krisenzeiten wabert auch jetzt der Name Mirko Slomka durch die einschlägigen Gerüchteküchen als neuer, alter Trainer.

Intimus der Boulevardpresse

Slomka gilt als Intimus der Boulevardpresse, der Krisen mit jovialem  Autoverkäufercharme wegmoderieren kann. Nicht zuletzt deshalb hat Martin Kind den in Hannover wohnhaften Übungsleiter immer wieder mit der sportlichen Verantwortung betraut. Sollte Slomka auch diesmal wieder erste Wahl für die Schaaf Nachfolge sein, wäre es ein weiterer Beweis für die Ideenlosigkeit der Verantwortlichen hinsichtlich einer Neuausrichtung des Vereins.

Es ist der Tiefpunkt in einem langanhaltenden Sinkflug, in dem sich Hannover 96 befindet. Seit dem Abgang von Manager Jörg Schmadtke fehlt dem Klub eine klare sportliche Vision. Die Neuverpflichtungen sowohl von Dirk Dufner, als auch von Martin Bader entpuppten sich weitgehend als Flops.

Martin Kind soll sich bei der Suche nach einem Nachfolger für Michael Frontzeck im Winter durchgesetzt haben und gegen den Willen von Manager Bader, der Kosta Runjaic bevorzugte, Thomas Schaaf durchgedrückt haben. Nun muss der Mäzen erkennen, dass sein Denkmal, das sich er in der Arena am Maschsee mit seinen Hörgerätemillionen setzen wollte, zerbröselt.

Funktionäre, die zu Lachnummer avancieren

Wohin man schaut: Verlierer. Die Profis, die an Marktwert verlieren, die Funktionäre, die zu Lachnummer avancieren, und last but not least Thomas Schaaf, der sich nach 38 Jahren als veritabler  Bundesligaprotagonist erstmals ernsthafte Gedanken darüber machen muss, wie es weitergeht. Nachdem er schon bei Eintracht Frankfurt trotz annehmbarer Ergebnisse den Spielern und dem Umfeld seltsam fremd blieb, zementiert sich durch seine Demission in Hannover der Eindruck, dass er sich außerhalb des Bremer Biotops mit seinen überschaubaren Strukturen im großen Fußball schwer tut. Es bleibt abzuwarten, ob und wo er wieder auftaucht.

Vielleicht wird es auch für ihn Zeit für einen Neuanfang. Ähnlich wie er scheiterte einst auch der Trainer Horst Hrubesch an den medialen Herausforderungen des modernen Profigeschäfts in der Eliteliga.

Das Kopfballungeheuer fand später in der Jugendarbeit des DFB seine Erfüllung, wo er granteln konnte wie ihm der Schnabel gewachsen war, weil er nur selten ein Mikro vor die Nase bekam, und als Fachmann von Spielern und Kollegen gleichermaßen hochgeschätzt wird.

Hrubesch will nach den Olympischen Spielen im Sommer in Rente gehen. Thomas Schaaf wäre als wettergegerbter Fahrensmann alter Schule mit seinen 54 Jahren doch eine passende Lösung für die Hrubesch-Nachfolge beim Verband. Sportlich, optisch und letztlich auch rhetorisch.