Warum Handball nicht der bessere Fußball ist

Das Ende ist nah

Auch im Fernsehen, in den Zeitungen, im Internet und vor allem an den Stammtischen werden Quervergleiche gezogen zu überbezahlten, weinerlichen und moralisch bankrotten Profikickern, die neben den bescheidenen, ehrlichen und fairen Sportsleuten, die man beim Handball trifft, natürlich schlecht aussehen. 

Dabei ist Handball der Sport, in dem die Schiedsrichter so oft inkompetent und sogar korrupt sind, dass es vor einigen Jahren mal eine Regel gab, nach der das Kampfgericht die Referees während des laufenden Spiels austauschen durfte. Handball ist der Sport, in dem der erfolgreichste deutsche Verein wegen Bestechung und Manipulation vor Gericht stand und nur einen Freispruch zweiter Klasse bekam. (»Wir sind nicht von der Schuld der Angeklagten überzeugt – aber auch nicht von der Unschuld«, erklärte der Richter vielsagend.) Handball ist der Sport, bei dem der Teamarzt eines Bundesligisten vor einigen Jahren verriet, dass alle Spieler gegen Tetanus geimpft sind, weil man mit Bisswunden rechnen muss. (»Sie sind immer eine Gefahr für Infektionen, auch von HIV«, sagte der Mediziner.)

Keine Bange: Es geht vorbei

Apropos Infektion: Wenigstens ein Gutes hat das momentane Handballfieber – aus Erfahrung weiß man, dass es bald überstanden ist. Der ehemalige Hockeyspieler Moritz Fürste teilte vorgestern auf Facebook eine Grafik mit dem Titel »Der Handball-Kreisel«. Da geht es um die elf Stufen der Manie, von »Handball-WM kommt im Fernsehen« über »Alle schreien: Wie geil!« und »Alle regen sich über die Gehälter der Profifußballer auf« bis zu »Totale Begeisterung: Das ist echter Sport!« und »Menschen auf den Straßen schwören, dass sie ab jetzt totale Handball-Fans sind«. 

Die letzte Stufe ist dann: »Die Handball-Bundesliga beginnt, aber die Pressekonferenz vor dem Fußballspiel HSV gegen Regensburg hat sechsmal mehr Zuschauer als Kiel gegen Berlin.«

In weiten Teilen der Welt nahezu unbekannt

Fürste schrieb: »So traurig und doch so wahr! Jetzt erklärt ihr mir bitte, wie man das ändern kann.« Kann man natürlich nicht, weil der aktuelle Handball-Wahn ja nichts mit Handball zu tun hat. Es ist dasselbe Schland-Ding, das den Fußball auch alle zwei Jahre befällt. Sobald das Turnier vorbei ist, die Medaillen verteilt sind und die schwarz-rot-goldenen Fähnchen von den Wangen abgeschminkt wurden, ruft die Realität. Und in der ist Handball dann eben doch nur ein in weiten Teilen der Welt nahezu unbekanntes Spiel, in dem ein Torwart schon dann als ziemlich gut gilt, wenn er jeden fünften Wurf auf seinen Kasten abwehrt, und das sich am besten als griechisch-römisches Ringen mit Ball beschreiben lässt.

Was aber natürlich nicht heißen soll, dass der Handball keine Daseinsberechtigung hätte. Schließlich gibt es ja auch viel Gutes über ihn zu sagen. Zum Beispiel: Immerhin ist es nicht Basketball.