Warum Hallenfußball super ist

Zu Besuch bei Legenden

Zwischen wüster Klopperei, beglückender Nostalgie und einer Zeitreise in die Berliner Vergangenheit: Darum ist das Traditionsmasters einen Besuch wert. 

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»Hey« donnert es erschreckend laut über den Vorplatz der Max-Schmeling-Halle in Berlin. Ärger liegt in der Luft. Denkt man. Dann ist aber doch alles ganz harmlos, und das »Hey« nichts weiter als eine Begrüßungsformel unter Bekannten. Dit is Berlin, wa?! Wo das verbale Vorspiel zu einer wüsten Klopperei genauso klingt wie das eines Wiedersehens.

Hier und heute aber liegt der Fall klar: (Vor-)Freude ist angesagt, das AOK-Traditionsmasters steht bevor. Inmitten der Stadt und nur einen Steinwurf vom Mauerpark entfernt, der sie über Jahrzehnte teilte. Und folglich auch seine Fußballvereine. 

Wo sonst Tourismus Volkssport Nummer eins ist

Heute trennt Union und Hertha zwar nur noch eine Spielklasse. Damit werden die Duelle zwischen den beiden Mannschaften aber auch nicht häufiger. Ganze vier Mal sind die beiden Klubs in Pflichtspielen überhaupt erst aufeinandergetroffen.

Allein schon deshalb ist dieses Hallenturnier eine Schau. Endlich ein bisschen Fußball-Rivalität schmecken, inmitten von Berlin, wo ansonsten Tourismus Volkssport Nummer eins ist. 

Hier regiert die Berliner Schnauze

Und ein wenig wird die Max-Schmeling-Halle an diesem Tag somit auch zum Tatort einer Zeitreise. Denn natürlich halten die meisten Zuschauer hier mit einem der beiden Berliner Klubs, und nicht etwa mit dem VfL Osnabrück, dem 1. FC Nürnberg, Borussia Mönchengladbach oder den Iceland Legends, die der Veranstalter ebenfalls eingeladen hat.

Weil das so ist, regiert hier die Berliner Schnauze. Das klingt furchtbar schroff und wunderbar herzlich. So klang mal die ganze Stadt, vor »arm aber sexy«. Das war ihr Wesenskern, bevor sie in ihrer Mitte von denen besetzt wurde, denen das offenbar ganz gut gefiel, und die einfach ein bisschen mehr Geld hatten.

Das ursprüngliche Berlin findet sich seither ja nur noch an seinen Rändern. So ist das eben. Trotzdem schön, wenn der Charakter der Stadt dorthin zurückkehrt, wo er einst am vitalsten pulsierte. Wenn auch nur für die fünf Stunden eines Traditionsturniers.

Thorsten Mattuschka gibt den Fußballgott — und sorgt fast für einen Eklat

Rein in die Halle. Dort sind die Verhältnisse klar geregelt. Richtung Norden sitzen die Herthaner, Richtung Süden die Unioner. Dazwischen das gemäßigte Volk. Was alle verbindet: beste Laune. 

Die sechs Mannschaften bestehen aus altgedienten Ex-Profis, manche von ihnen schieben in unteren Spielklassen noch immer Dienst. So wie Union-Legende Thorsten Mattuschka, Fußballgott. Er spielt noch, Oberliga, ist ja auch gerade mal 36 Jahre alt. Und jetzt eben Traditionself, Hallenfußball.

Er steht da wie eine Eins. Ballert Freistöße in den Winkel. Im Duell gegen die Hertha gleich drei Stück hintereinander. Ehe den Herthanern in der Pause des von den Rängen frenetisch begleiteten Stadtduells auffällt, dass das laut Regeln gar nicht erlaubt ist — direkte Freistoßtore.