Warum Guido Burgstaller so großartig ist

Der Mann hat keinen Bock auf Schnickschnack

Und so ging es weiter: Burgstaller, bis dato ein solider Zweitligaknipser, bot in den folgenden Spielen die gesamte Partitur des Oldschool-Sturmtanks auf: Krachende Kopfballduelle, schmerzhafte Grätschen, die er wie einen Ritterschlag hinnahm, lässig eingeschobene Querpässe, ins lange Eck gedroschene Flachschüsse, reingewollte Abstauber aus dem Gewühl, garniert mit einem schnörkellosen Beide-Fäuste-nach-oben-Jubel, der auf den ersten Blick verriet: Der Mann hat keinen Bock auf Schnickschnack. Mit Burgstaller fühlte sich der Fußball plötzlich wieder nach Klemmbrett an, nicht nach Laptop, nach blutigen Knien und nicht nach bunten Schuhen. 

Zwischen all den High-Res-Stürmern á la Aubameyag und Lewandoswki ist Burgstaller der 16-Bit-Stürmer, und es ist eine helle Freude. Dieses vollkommene Bernhard-Winkler-Artige Burgstallers, das ja schon die Holzvertäfelung seines Namens anzeigt, findet sich auch in seinen Interviews wieder, in denen er Dinge sagt wie »Ich mache nicht so viel anders als in der Zweiten Liga«, »Wenn du viel arbeitest, wirst du auch belohnt«, oder, mein Favorit, dass sein Erfolgsgeheimnis der Melissensaft aus Mamas Garten sei, der ihn stark mache. 

Kann es so einfach sein?

Der Melissensaft aus Mamas Garten. Kann es so einfach sein? Burgstaller hat seit dem Winter bereits sechs Tore für Schalke geschossen, vielleicht trinkt er ja vor dem Spiel tatsächlich einen großen Schluck Melissensaft, irgendwo an einer hölzernen Eckbank, sagt dann »Ich mach' das jetzt«, geht raus und verteilt Hämatome. Und vielleicht knipst er heute Abend Schalke 04 ins Viertelfinale der Europa League, die er selber sicherlich Uefa-Cup nennen würde. Einfach weil Gladbachs Verteidiger auf einen Neunziger-Jahre-Sturmtank wie Burgstaller nicht mehr eingestellt sind. Und falls es doch nicht klappt, sei ihm zum Trost die Space-Jam-Homepage empfohlen. Oder halt ein großes Glas von Mamas Melissensaft.