Warum Gonzalo Castro so wichtig für Borussia Dortmund ist

Der achtbeste Profi der Liga

Ob sein Wechsel zu Borussia Dortmund strategisch besonders wertvoll war, darf diskutiert werden. Mittlerweile ist Gonzalo Castro zumindest zu einem der wertvollsten Mittelfeldspieler der Bundesliga geworden. Mit zwei Tore und vier Assists wertet ihn der Datendienst Whoscored.com zum achtbesten Spieler der Liga. Dabei hatten ihn viele BVB-Anhänger nach der ersten Hinrunde unter Trainer Thomas Tuchel bereits abgeschrieben.

 

Doch der Biologe weiß: »Die ökologische Nische ist kein Raum, sondern ein Beziehungsgefüge«. Und von den neuen Beziehungen der am Transfermarkt rotierenden Borussia profitiert Castro besonders. Noch vor der Saison war unklar, wer die vakanten Positionen im zentralen Mittelfeld besetzt: Julian Weigl? Sebastian Rode? Mario Götze? Oder Castro?

 

Castro überzeugt beim BVB

Derzeit ist es vor allem eine Kombination aus allen vier Spielern. Gepaart mit Neuzugang Raphael Guerreiro sowie den Offensivspielern Ousmane Dembélé, Christian Pulisic und natürlich Pierre-Emerick Aubameyang. Dabei übernimmt Castro im zentralen Mittelfeld zumeist neben Götze die Aufgabe eines Nischenspielers. Er wandert hinter Rechtverteidiger Lukasz Piszeck, um mehr variable Offensivkraft zu ermöglichen. Unterstützt Dembélé im Eins-gegen-Eins auf den Flügeln oder Weigl als abkippende Sechs im Spielaufbau.

 

Alles zugleich spielte Castro zuletzt im Champions-League-Gruppenspiel gegen Real Madrid. »Er war der beste Borusse auf dem Feld«, meinten die Ruhr-Nachrichten. Die WAZ titelte: »Gonzalo Castro überzeugt beim BVB.« Und Rudi Völler schleuste seinen ehemaligen Schützling tags darauf wieder in die Nationalelf-Debatte ein. Glückwunsch.

 

Das neue Beziehungsgefüge bei Borussia Dortmund scheint dem unverzichtbaren Lückenfüller Castro neuen Auftrieb zu verleihen.

Wichtigste Persönlichkeit? Marcel Reich-Ranicki

 

Heute wird er gegen seinen Ex-Verein Leverkusen antreten, in der kommenden Woche freimachen. Bundestrainer Jogi Löw verzichtet für die anstehenden Länderspiele erneut auf ihn. Ein Umstand, den Thomas Tuchel wie folgt kommentiert: »Ich bin zu hundert Prozent davon ausgegangen, dass er nominiert wird. Weil die Leistungen jetzt seit so langer Zeit auf so hohem Niveau so herausragend gut sind, dass ich mir komplett sicher war. Das jetzt so zu hören, ist eine große Enttäuschung.«

Sein Spieler blieb bescheidener und sprach artig davon, dass es weiterhin eine Ehre wäre, nominiert zu werden. Nominiert für ein Land, dessen wichtigste Persönlichkeit – laut Gonzalo Castro – Marcel Reich-Ranicki war. Ein Mann, der zu lange auf einen Preis warten musste und anschließend entnervt ablehnte. Man kann nur hoffen, dass das nicht abfärbt.