Warum Gladbachs Aufschwung so wunderbar bescheuert ist

Plötzlich selbstverständlich

Borussia Mönchengladbach ist wieder erfolgreich. Spieler, die vor einem Monat noch fehlbesetzt wirkten, glänzen plötzlich. Das macht alles keinen Sinn. Und sollte uns eine Lehre sein.

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Und plötzlich wirkt alles wieder wie selbstverständlich.

Plötzlich schneidet Raffael wieder durch gegnerische Abwehrreihen, als wären sie Pylonen auf dem Verkehrsübungsplatz. Dreht sich Mo Dahoud um die eigene Achse, als wäre sie der Grundpfeiler der Welt. Gibt Tony Jantschke den unnachgiebigen Prellbock gegnerischer Angriffsbemühungen. Plötzlich spielt Borussia Mönchengladbach wieder, wie zu seligen Zeiten unter Lucien Favre. Dem Baumeister des Gladbacher Aufschwungs, der in dieser Hinrunde so jäh unterbrochen wurde.

Das war schon damals nicht immer und unbedingt ein Offensivspektakel. Vielmehr ging es unter Favre mehr und mehr darum, die Spielkontrolle zu erlangen. Im Spiel gegen den Ball zu verschieben, als wäre Fußball Jenga. Und niemals fiel ein Stein. Oder zumindest sehr selten. Wenn sich die Möglichkeit zum schnellen Umschalten ergab, wurde sie gern angenommen. Ansonsten lautete die oberste Ballbesitz-Devise: ruhig Blut.

Pech? Unvermögen? Wer weiß das schon!

Der Ball lief durch die Reihen, von links nach rechts, und gern auch wieder zurück, über Torwart Yann Sommer. Solange bis eine der offensiven Waffen, von denen Gladbach inzwischen ja so einige in seine Reihen weiß, in eine aussichtsreiche Position geraten war, aus der heraus es aussichtsreich erschien, etwas zu wagen. Ob im Duell eins gegen eins, durch einen Doppel- oder Steilpass.

So spielte sich Borussia in die Champions League, bis Lucien Favre nach dem Fehlstart der vergangenen Saison von sich aus die Segel strich. André Schubert kam, machte Stück für Stück alles ein bisschen anders und hatte zunächst Erfolg. Bis er irgendwann zu viel wollte, und/oder einfach nur Pech hatte. Wer weiß das schon so genau. 

Vom stärksten Kader der jüngeren Geschichte zur Trümmertruppe

Was hingegen sicher ist: Die Ergebnisse blieben aus. Und mit ihnen die Selbstverständlichkeit im Spiel der Fohlenelf. Ein Domino-Effekt mit hässlicher Fratze. Denn innerhalb weniger Wochen erschien diese Mannschaft, die vor der Saison von vielen als der stärkste Gladbach-Kader der jüngeren Vergangenheit angesehen wurde, als überschätzt und falsch zusammengesetzt. 

André Hahn wirkte nicht mehr wie eine plausible Option für die deutsche Nationalmannschaft, sondern wie einer eben wirkt, dessen Ballannahmen zuweilen wie Torschüsse anmuten. Rückkehrer Christoph Kramer machte den Anschein, noch immer an den Spätfolgen der Gehirnerschütterung aus dem WM-Finale zu leiden. Und Edeltechniker wie Mo Dahoud, Raffael und Thorgan Hazard gelangen die einfachsten Pässe nicht mehr.