Warum George Weah tatsächlich Präsident von Liberia werden kann

»Ich brauche keinen akademischen Grad«

2005 kandidierte Weah erstmals für das Amt. Der Novize gewann direkt die erste Wahlrunde und erreichte die Stichwahl gegen Ellen Johnson Sirleaf. Durch seine Popularität, gerade bei der jungen Bevölkerung, wurden Weah sogar Siegchancen eingeräumt. Als Johnson-Sirleaf trotzdem gewann, zeigte Weah wenig Verständnis für das Ergebnis. »Diese Wahl war weder frei noch fair«, sagte der ehemalige Weltfußballer. Diese schweren Vorwürfe von Weah und seiner Partei, dem Congress for Democratic Change (CDC), resultierten schließlich in gewaltätigen Unruhen. Bei einem Protestmarsch der CDC kam es zu Zusammenstößen mit der Polizei und dem Einsatz von Tränengas.

Zudem mokierte sich das liberianische Establishment nur zu gerne über die mangelnde Ausbildung des Fußballers. Seine Widersacherin Johnson Sirleaf studierte in Havard. Er brach die Schule ab, um Profi zu werden »Ich brauche keinen akademischen Grad, um zu sehen, daß die Menschen keinen Strom und kein Wasser haben«, sagte Weah damals. Heute, zwölf Jahre später, hat der 51-Jährige einen Abschluss in Business Management.

»Das schlimmste Land der Welt«

Doch nur ein akademischer Grad reicht nicht aus, um ein Land wie Liberia zu regieren. Von 1989 bis 2003 tobte dort ein schrecklicher Bürgerkrieg. Der britische »Economist« nannte den westafrikanischen Staat: »Das schlimmste Land der Welt«. Die Gräueltaten erreichten Umstände unermesslichen Ausmaßes.

Auch George Weah bekam die Härte des Regimes zu spüren. Während er noch in Europa spielte, forderte er das bewaffnete Eingreifen der Vereinten Nationen. Charles Taylor, damaliger Präsident und Warlord, war darüber wenig erfreut. Die Konsequenz: Er brannte Weahs Haus ab.

»Jobs, Jobs, Jobs«

Die Problemliste ist heute nach wie vor üppig. »Jobs, Jobs, Jobs – das ist es vor allem, was er liefern muss. Das ist die Grundlage. Dadurch erhöhen sich letztlich Steuereinnahmen und die Kaufkraft der Bevölkerung steigt«, sagt Dr. Judith Vorrath von der Stiftung für Wissenschaft und Politik. Liberia lebte lang vom Erzabbau und natürlichen Ressourcen. Doch die Preise befinden sich im Sinkflug. Neue, gewinnbringende Branchen müssen erst noch erschlossen werden.

Dabei stößt das Land schon beim Bau einer funktionierenden Infrastruktur an seine Grenzen. Ein Blick auf liberianische Straßen lässt Verkehrsbeamte latent aufstoßen. »In Regenzeiten sind die Straßen unpassierbar«, sagt Vorrath. Häufig kämpfen sich die Fahrzeuge über eine matschige, sandige Pad.

Die Unzahl an Aufgaben und die begrenzten Mittel machen die politische Arbeit langatmig. »Da hat sich Johnson Sirleaf schon dran versucht und man sieht wie weit oder nicht-weit sie gekommen ist«, sagt Vorrath über die aktuelle Präsidentin. 

Das Land befindet sich in einem teuflischen Kreislauf. Alles fällt und steigt mit dem Geld. Das staatliche Budget ist viel zu klein, ein Großteil der Gelder verschwindet in fremden Taschen und es wird schlichtweg zu wenig erwirtschaftet. Diesen Kreislauf zu durchbrechen, wird die Aufgabe eines Präsidenten Weah sein.