Warum George Weah noch immer wahnsinnig erfolgreich Fußball spielt

Weah dich nicht!

Der ehemalige Weltfußballer George Weah ist seit 2018 Präsident Liberias. Nebenher kickt er für die Weah All Stars. Kleine Zusatzregel: Niemand darf ihn angreifen. 

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Genau genommen spielte George Weah nie Fußball. Er war jedenfalls kein Filigrantechniker, der an den gegnerischen Verteidigern vorbeitänzelte. Nein, wenn George Weah Tore schoss, brach er mit seiner schier übermenschlichen Kraft durch die Abwehrreihen. Er war ein Stürmer, für den Begriffe wie »Bomber« oder »Sturmtank« erfunden wurden. 1,85 Meter groß, 90 Kilo schwer. »Ein Bison«, schrieb die französische Zeitung L’Equipe.

Ende der Achtzigerjahre kam er nach Europa, auf Empfehlung des französischen Fußball-Globetrotters Claude Le Roy. Der AS Monaco zahlte die (auch damals) lächerliche Summe von 200.000 Mark. »Weah war die große Überraschung«, sagte sein Trainer Arsene Wenger später. »Er war der Schokoladenhase, den der kleine Junge an Ostern im Garten findet. Ich habe nach ihm nie wieder einen Spieler so explodieren sehen.«

Auch danach explodierte Weah so ziemlich überall, wo er hinkam. Mit Paris Saint-Germain gewann er die französische Meisterschaft, mit Milan die italienische. 1989 wurde er erstmals zu Afrikas Fußballer des Jahres gewählt, 1995 zum Weltfußballer des Jahres, 1998 zu Afrikas Fußballer des Jahrhunderts.

»Weah ist für uns wie eine Flamme«

Während dieser Zeit musste er aus der Ferne mitansehen, wie kriminelle Clans und Warlords seine Heimat in Schutt und Asche legten. Im liberianischen Bürgerkrieg kamen 250.000 Menschen ums Leben, über eine Million Menschen waren auf der Flucht.

Schon damals umwehte Weah etwas Zauberhaftes. Er wirkte wie eine märchenhafte Figur, ein sanfter und gutmütiger Riese, der alle Menschen eint. Als er sich Mitte der Neunzigerjahre wiederholt in Reden an seine Landsleute wandte, ließen die für einige Zeit ihre Waffen ruhen. »Weah zeigt der Welt, dass Liberianer keine Killer, sondern Menschen mit Gefühl und Talent sind«, sagte der stolze Sportminister Francois Massaquoi.

1996 qualifizierte sich Liberia erstmals für den Afrika Cup. Mit Weah und natürlich wegen Weah. Als dem Verband das Geld ausging, sprang der Stürmer ein. Er trieb Sponsoren auf und bezahlte Flüge und Hotels für die komplette Mannschaft. Auch auf dem Feld gab er sich selbstlos. Weil die Nationalmannschaft im Sturm gut besetzt war, half Weah auf anderen Positionen aus, einige Male spielte er sogar als Libero. Der liberianische Journalist Kenneth Jackson schrieb: »Weah ist für uns wie eine Flamme. Solange sie brennt, können wir die Schmerzen vergessen und von Freiheit träumen.«

100 Millionen Dollar - einfach verschwunden

Es überraschte kaum jemanden, als Weah nach seiner Profilaufbahn in die Politik ging. Als UNICEF-Botschafter erhielt er 2004 den Arthur Ashe Courage Award für seinen humanitären Einsatz. 2005 trat er zur Präsidentschaftswahl an, aber er verlor. Andere Politiker hatten sich im Wahlkampf über seine fehlende Bildung lustig gemacht. Also machte Weah das Abitur nach und studierte Betriebswirtschaft, um beim nächsten Mal besser gewappnet zu sein. Ende 2017 schließlich ließ er sich erneut zur Wahl aufstellen – diesmal mit Erfolg. Seit dem 22. Januar 2018 ist Weah Staatspräsident von Liberia. In der Hauptstadt Monrovia stehen nun ein Denkmal des Fußballers Weah und ein Denkmal des Präsidenten Weah.

Das erste Jahr seiner Präsidentschaft war turbulent, das Denkmal des Politikers bekam jedenfalls schon nach wenigen Monaten ein paar Risse. Denn über Nacht verschwanden etwa 100 Millionen Dollar aus der Haushaltskasse. Weah kündigte Untersuchungen an, die aber bislang nichts ergaben. In Interviews gibt er sich bis heute wenig auskunftsfreudig.