Warum ganz Europa Jürgen Klopp den Titel gönnt


Es fühlt sich richtig an


Was zu der Erzählung passt, dass Klopp vor allem daraus Genugtuung zieht, anderen Menschen zum Erfolg zu verhelfen. Als der deutsche Trainer frisch in Liverpool ankam und das Team hinter dem Team kennenlernen sollte, waren alle auf der Geschäftsstelle darauf vorbereitet, von Klopp jetzt ein paar Ansagen zu hören. Dass er ihnen erklären würde, was ihm wichtig sei, worauf er achten wolle und wie genau der Wind jetzt wehen würde in Melwood.

Doch Klopp redete nicht, er hörte zu. Er ließ sich genau erklären, wie die Dinge im Klub laufen würden, wer für was zuständig sei und wer was gut könne. Und dann schenkte er den Leuten sein Vertrauen. So, wie er seinen Spielern auf dem Platz das Vertrauen schenkt. Sei es dem No-Name-Außenverteidiger Robertson, den er aus Hull holte und den er auch auch gegen Manchester City spielen lässt, sei es Roberto Firmino, den er innerhalb von zwei Jahren zu einem der spektakulärsten Halbstürmer der Welt formte. 



Klopps Liebe zu seinem Team ist echt

Kürzlich veröffentlichte der FC Liverpool ein Video, in dem der Trainer über jeden seiner Spieler ein paar Sätze sagen sollte. Logischerweise kein Anlass, bei dem Klopp die Schwächen der Jungs ausschlachtete. Trotzdem hatten seine Antworten nur wenig mit den Plattitüden gemein, die man etwa aus den »Super-super-Spieler«-Aussagen von Pep Guardiola stets herauszuhören meint.

Denn wenn einer unserer Trainer nur ein einziges Mal so über uns gesprochen hätte, wie Klopp über seine Spieler spricht, mit diesem Mix aus väterlichem Stolz, Dankbarkeit für das Geleistete und tiefem Zutrauen in zukünftige Taten, vielleicht wäre ja doch mehr drin gewesen als ein dritter Platz beim Torwandschießen der Kleingartenkolonie Britz-Süd. Und genau dieses Gefühl ist es, das selbst in den entlegensten Winkeln der Welt ankommt: Klopps Liebe zu seinem Team ist echt.

Es fühlt sich richtig an



Was der ganzen, ohnehin schon mit Folklore aufgeladenen Klopp-in-Liverpool-Story eine ganz neue Dimension gibt. Nicht nur, dass da ein neuer Trainer (zum zweiten Mal) bei einem gigantischen Traditionsklub einreitet, diesen wach küsst, nebenbei die Medien unterhält, mit perfekt getimten Pointen das komplette Umfeld elektrisiert und darüber hinaus (zumindest in diesem Jahr und zumindest international) den wohl aufregendsten Fußball Europas spielen lässt, nein: Das Märchen wirkt noch nicht mal kitschig. Es fühlt sich schlicht richtig an.

Was der Grund dafür ist, warum so viele Menschen Klopp – dessen Finalbilanz der vergangenen Jahre katastrophal schlecht ist – endlich den ganz großen Triumph gönnen. Schließlich hätten sich die allermeisten auf der Welt gerne mal selber auf dem Platz für einen Trainer wie ihn zerrissen.