Warum (frühe) Trainerentlassungen ok sind

Funkel raus!

Wenn es nach »den Medien« geht, stehen in der Bundesliga schon nach vier Spieltagen die ersten Trainer zur Diskussion. Ein Unding, findet unter anderem Friedhelm Funkel. Warum das ein großer Irrtum ist.

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Friedhelm Funkel und Populismus in einen Zusammenhang zu bringen, mag auf den ersten Blick widersprüchlich erscheinen. So hat man Fortuna Düsseldorfs Trainer eigentlich nicht abgespeichert. Doch was der 64-Jährige (und damit älteste Bundesliga-)Trainer vor dem Spieltag gegenüber der Stuttgarter Zeitung sagte, war nichts anderes: 

»Alles ist viel schnelllebiger und boulevardesker geworden. Du bekommst als Trainer gar keine Zeit mehr, etwas aufzubauen. Du wirst von Außen getrieben, irgendwelche Entscheidungen zu treffen. Schauen Sie doch nur, was bei Ihnen in Stuttgart gerade passiert: Der VfB war vergangene Saison die zweitbeste Rückrundenmannschaft – und jetzt wird Tayfun Korkut nach zwei Niederlagen zum Saisonauftakt in Frage gestellt. Das ist absurd.«



Einspruch! Und zwar in vollem Umfang.

Ob nun »alles viel schnelllebiger und boulevardesker« geworden ist, ist schwer zu ermessen. Kaum zu bestreiten sein dürfte allerdings, dass der Vorwurf ein alter, allzu pauschaler Hut ist. Es ist wie mit den obligatorischen Interview-Passagen, die Profis irgendwann in ihrer Karriere offenbar von sich geben müssen, als wäre es ein Naturgesetz. Irgendwann ereilt sie immer die Frage nach dem Umgang mit der nachrückenden Jugend. Und immer, wirklich immer, heißt es dann sinngemäß: »Als ich angefangen habe, war der Respekt vor den Alten noch ein anderer. Da haben wir jungen Spieler ganz ohne Aufforderung die Tore getragen und die Schuhe geputzt!«



Inhaltlich fragwürdig

Nun kann man der Empfindung des Einzelnen schwerlich widersprechen. Die Pointe allerdings geht so: Das haben Profis vor ihnen gesagt und das werden Profis nach ihnen sagen. Wenn sich gestandene Spieler also daran erinnern, Schuhe geputzt und Tore getragen zu haben, und genau das den jungen Spielern der Gegenwart absprechen, diese sich dann aber erfahrungsgemäß in ein paar Jahren daran erinnern, in ihrer Jugend noch Schuhe geputzt und Tore getragen zu haben, dann ist das die berühmte Quadratur des Kreises.



Auch Friedhelm Funkels Formulierung, man bekomme »als Trainer gar keine Zeit mehr, etwas aufzubauen« ist eine alte Bekannte, die schon aus Trainermündern schallte, als Funkel noch zu den Jüngeren zählte. Und zudem inhaltlich fragwürdig. Denn natürlich bekommen die Trainer Zeit. Tayfun Korkut etwa hat nun schon seit dem 30. Januar 2018 Zeit, etwas aufzubauen. Wobei man zugeben muss, dass er anfangs etwas weniger Möglichkeiten dazu hatte. Schließlich hatte er zwischen der Unterschrift beim VfB Stuttgart und dem ersten Pflichtspiel gegen den VfL Wolfsburg nur drei Tage zur Verfügung. Trotzdem blieb er, der eine Mannschaft mit nur einem Punkt Abstand zum Relegationsplatz übernommen hatte, in der Folge acht Spiele ungeschlagen und rutschte in der Rückrundentabelle letztendlich auf einen sensationellen zweiten Platz.