Warum Frank de Boer bei Inter entlassen wurde

Entlassung via Skype

Die Spieler schienen zu keinem Zeitpunkt das neue taktische Konzept vollends verinnerlicht zu  haben. Nach der 1:2 Heimpleite gegen Atalanta Bergamo bekräftige Inter-Angreifer Éder die Bedenken der italienischen Experten: »Wir sind eine starke Mannschaft, aber keine Einheit. Wir schaffen es meist nicht, die Anweisungen auszuführen, die uns der Trainer gibt.«

Auch das Verhältnis zwischen dem Trainer und seinen Spielern soll nicht mehr das Beste gewesen sein. In typischer Van Gaal-Manier gab De Boer den holländischen Feldwebel, setzte vollends auf Disziplin und ging dabei keiner Konfrontation aus dem Weg. So rügte er die beiden Mittelfeldspieler Marcelo Brozovic und Geoffrey Kondogbia öffentlich für ihre Einstellung und das Missachten taktischer Vorgaben, bevor er sie nicht mehr berücksichtigte. 

Unrealistische Erwartungshaltung

Die sportliche Misere bei Inter ist aber freilich nicht nur am Trainer festzumachen. Noch während seiner Amtszeit beklagte sich De Boer, immerhin der achte Trainer seit dem Triple-Sieg 2010, über die unrealistische Erwartungshaltung bei den Mailändern. »Inter gewinnt seit fünf Jahren gar nichts, wie soll ich das in wenigen Wochen schaffen?«, fragte der Holländer nach einer Niederlage gegen Cagliari. 

Auch sein Bruder Ronald schrieb diese Woche in seiner Kolumne bei »Voetbal International« über die zahlreichen Nebengeräusche, mit denen so ein Engagement bei den Nerazzurri behaftet ist: »Als Trainer willst du dich mit Fußball beschäftigen, während es bei Vereinen wie Inter zu viel um indirekte Themen und politische Faktoren geht.«

Entlassung via Skype

Gemeint haben könnte der ehemalige Nationalspieler die undurchsichtigen Strukturen im Mailänder Verein nach dem Einstieg der chinesischen Investoren. Sie sollen Berichten zufolge De Boer aufgrund der geographischen Distanz via Skype entlassen haben.

Der Holländer gilt als Wunschkandidat von Noch-Präsident Erick Thohir, der allerdings nur mehr 29 Prozent der Anteile hält und diese wohl in den nächsten Monaten abtreten wird. Die Chinesen hatten sich einen renommierten Namen wie Laurent Blanc gewünscht, während Vize-Präsident Javier Zanetti und Sportdirektor Piero Ausilio Befürworter eines italienischen Trainers sind.

Der Schleudersitz wartet auf sein nächstes Opfer

Eine Rückkehr des Brasilianers Leonardo war die Wunschlösung von Ex-Patron Massimo Moratti, der zwar keine offizielle Rolle im Klub mehr inne hat, mit zahlreichen Ratschlägen in Interviews aber omnipräsent bleibt.

Heute Abend wird in der Europa League-Partie beim FC Southampton Interims-Coach Stefano Vecchi an der Seitenlinie sitzen, während die verschiedenen Instanzen im Hause Inter noch über den Nachfolger diskutieren.

Zanetti und Ausilio hätten gerne Ex-Lazio-Trainer Stefano Pioli, während es die Chinesen mit Blanc oder Guus Hiddink versuchen wollen. Der Schleudersitz auf der Inter-Trainerbank wartet auf sein nächstes Opfer.