Warum Frank de Boer bei Inter entlassen wurde

Wie ein Veganer in der Churrascaria

Ganze 84 Tage hielt es Frank de Boer als Trainer bei Inter Mailand, ehe er in dieser Woche entlassen wurde — via Skype. Das hat mit der sportlichen Misere, chinesischen Investoren und einer Majestätsbeleidigung zu tun.

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Die Brauen fallen tief in die Augenwinkel, das Gesicht wirkt trüb und angespannt zugleich. Frank De Boer muss sich in einer Live-Schaltung in die Studios von Sky Italia gerade wieder für eine Niederlage zu verantworten, diesmal hatte Inter bei Sampdoria Genua den Kürzeren gezogen.  

Gianluca Vialli, einer der großen Angreifer der 90er-Jahre, ist als Experte anwesend. Sie standen sich im Champions League-Finale von 1996 gegenüber, als Juventus in Rom gegen Ajax Amsterdam den Henkelpott gewann. Der Italiener spricht De Boer aber versehentlich mit dem Vornamen seines Bruders Ronald an.

Nur noch wenige Fürsprecher

Neben ihm im Studio sitzt der ehemalige Inter-Kapitän Giuseppe Bergomi, er versucht vergebens sich das Lachen zu verkneifen. Der Gesichtsausdruck des Holländers bleibt unverändert, aber die Mundwinkel verraten, dass er das alles gar nicht komisch findet.

Es sollte das letzte Mal gewesen sein, dass er der Schelte der italienischen Medien ausgesetzt war. Am Dienstagvormittag wurde Frank De Boer als Trainer von Inter Mailand entlassen.

Nein, der 46-Jährige hatte zum Ende seiner kurzen Amtszeit nicht mehr viele Fürsprecher. Keine drei Monate hatte die Liaison gehalten, wettbewerbsübergreifend verlor De Boer als Inter-Trainer die Hälfte seiner 14 Spiele.

Alles andere als ideale Begleitumstände

Zwei Wochen vor Saisonstart übernahm er den vakanten Posten an der Seitenlinie der Lombarden, die sich gerade nach internen Meinungsverschiedenheiten bezüglich der Ausrichtung des Klubs von Roberto Mancini getrennt hatten. 

Keine Vorbereitung mit der Mannschaft, eine fremde Fußballkultur samt neuer Sprache sowie ein Kader, der nach den Maßgaben seines Vorgängers zusammengestellt worden war. Die Begleitumstände, mit denen De Boer von Beginn an zu kämpfen hatte, waren alles andere ideal.

Dennoch wirkte der Holländer entschlossen, als er Anfang August der Öffentlichkeit als neuer Inter-Trainer präsentiert wurde: »Alle hier haben das gleiche Ziel vor Augen, nämlich den Klub wieder da hin zu bringen, wo er hingehört. Ich kann kaum erwarten bis es losgeht und Teil davon zu sein.«

Der beste Kader seit 2010

Gleichzeitig forderte De Boer aber Zeit. Seine Spielphilosophie werde erst am Ende des Jahres vollends zu erkennen sein, bis dahin seien Höhen und Tiefen zu erwarten, bekräftigte der Holländer.

Stets sprach De Boer von einem langfristigen Projekt, in Mailand zählen aber traditionell nur schnelle Erfolge. Dafür investierte der Verein dank der neuen Eigentümer aus China im Sommer so viel wie lange nicht mehr.

Der Einzelhandelsriese Suning, seit Mitte Juni Mehrheitseigner bei Inter, verpflichtete für insgesamt 130 Millionen Euro gefragte Top-Spieler wie den frischgebackenen Europameister João Mário oder den italienischen Nationalspieler Antonio Candreva.

Die italienische Medienlandschaft war sich nach der Transferoffensive von Inter einig: Der Kader, der Frank De Boer zur Verfügung stand, ist der Beste, seit José Mourinho im Jahr 2010 mit Inter das Triple gewann.