Warum Fans in Schweden das Endspiel ihrer Mannschaft sausen lassen

Pokalfinale? Ohne uns!

IFK Norrköping hat erstmals seit 1994 das schwedische Pokalendspiel erreicht. Und die Fans? Rufen dazu auf, dem Spiel fernzubleiben. Wie konnte der Verband es so weit kommen lassen?

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In Norrköping ist zurzeit irgendwie der Wurm drin. Am vergangenen Dienstag legte zunächst ein stundenlanger Stromausfall die Stadt lahm. Dann schockte auch noch der schwedische Fußballverband SvFF die Anhänger des IFK Norrköping mit der Ansetzung des diesjährigen Pokal-Endspiels: Angepfiffen wird nämlich am Donnerstag, dem 13. April, im Stadion des Finalgegners Östersunds FK. An einem stinknormalen Arbeitstag – um 16 Uhr!

»Dass man ein Pokalendspiel überhaupt an einem Wochentag austragen lässt, ist schon schrecklich genug«, schimpft Michael Kihlmann, Vorsitzender des Norrköpinger Fanclubs »Peking Fanz«. »Aber dass man die Anstoßzeit auch noch auf 16:00 Uhr festlegt? Da fragt man sich schon, wozu es überhaupt einen Pokalwettbewerb gibt.« Seit dieser (sagen wir: suboptimalen) Terminansetzung ist die Euphorie über Norrköpings erste Finalteilnahme seit 23 Jahren komplett verflogen. »Ich würde es nicht mal pünktlich zum Anstoß schaffen, wenn das Spiel hier in Norrköping wäre«, wettert Kihlmann.

»Der Verband scheißt offenbar drauf«

Was erschwerend hinzu kommt: Zwischen Norrköping und Östersund liegen nicht weniger als 620 Kilometer Fahrtstrecke. Wie soll das gehen? Statt also zu Tausenden zum Grande Finale aufzubrechen, riefen führende Norrköpinger Fanclubs zum Boykott des Spiels auf. Wohl gemerkt: Dass das Spiel in Östersund und nicht (wie in den meisten Ländern) auf neutralem Boden ausgetragen wird, ist keinesfalls das Problem. In Schweden ist es nämlich Usus, dass einem der beiden PokalFinalisten das Heimrecht zugelost wird. Aber – Anpfiff an einem stinknormalen Donnerstag? Um 16:00 Uhr?!

»Ausgerechnet in diesem Moment, wo uns eigentlich ein Volksfest bevorstünde, müssen wir erkennen, dass der Verband offenbar darauf scheißt, ob jemand zu dem Spiel kommt oder nicht«, heißt es in einem offenen Protestbrief der »Peking Fanz«. »Das offenbart nichts anderes als eine extrem fanfeindliche Haltung. Alles, was wir nun tun können, um unserer Unzufriedenheit Ausdruck zu verleihen, ist ein Aufruf, nicht zu dem Match zu reisen.«

Keinen Kontakt zur Basis

Die Rebellion des Norrköpinger Anhangs hat durchaus eine längere Vorgeschichte. »Schon das Halbfinale (gegen Brommapojkarna – rund 200 Kilometer entfernt, d. Red.) musste an einem Sonntagabend um 18.30 Uhr gespielt werden«, kritisieren die »Peking Fanz«. »Das Viertelfinale (bei IFK Göteborg – knapp 400 Kilometer entfernt; d. Red.) fand an einem Samstagabend um 18.30 Uhr statt. Beides waren keine optimalen Termine.«

Schwedens Fußballfans ahnen schon seit geraumer Zeit, dass die zuständigen Funktionäre den Kontakt zur Basis verloren haben. Im August 2016 etwa musste AIK Solna sein Europa-League-Qualifikationsrückspiel gegen Panathinaikos Athen (0:2/ Hinspiel: 0:1) plötzlich im Stadion der Stadtrivalen Djurgardens IF und Hammarby IF austragen. Grund: Die Betreibergesellschaft der AIK-Heimspielstätte »Friends Arena«, deren Teil-Eigentümer Schwedens Verband ist, hatte dort bereits ein lukratives Freundschaftsspiel zwischen dem FC Barcelona und Leicester City angesetzt.