Warum Europa für FC-Fans wichtiger ist als die Krise

Mittendrin statt nur dabei

Und dann sind wir drin. Wir können es kaum fassen. Knapp 100 Euro hat jeder von uns für das Ticket hingelegt – ohne zu wissen, ob wir überhaupt reinkommen. So geht es hier vielen. Die pure Erleichterung greift um sich. Hunderte FC-Anhänger stehen dicht gedrängt im Eingangsbereich und grölen: »Eu-ro-pa-pokal. Wir spielen wieder im Europapokal...« 

Erst mal pissen. Und kurz hinsetzen. Den ganzen Tag sind wir schon auf den Beinen. Fan-Marsch durch die Stadt. Danach stundenlanges Stehen. Irgendwann ging den Pubs tatsächlich das Bier aus. Oder sie durften es nicht mehr verkaufen. Um den riesigen Ansturm auf das Stadion aufzuhalten, hat die Polizei kurzerhand die Zugangsbrücke gesperrt. Was für eine Schnapsidee! Das konnte ja nicht gut gehen. Aber »et hät noch immer jot jejange!« Über einen Umweg sind wir zum Stadion gekommen. Und jetzt drin. Mittendrin.

Auswärtsfahrten sind schön

Oben angekommen. Der erste Blick in ein neues Stadion ist immer besonders. Der Rasen. Die Tornetze. Die Ränge. Im »Emirates« sieht das Dach aus, als würde es durchhängen. »Alter, ist das geil«, sagt Alex. Mehr zu sich selbst als zu uns. »Wir müssen irgendwie in den Gästeblock kommen«, meint er mit einem Ausdruck von Glückseligkeit im Gesicht. Ja, da sind wir uns alle einig.

Unsere Plätze sind nicht weit weg vom Gästebereich. Eine Reihe von Sicherheitskräften hat sich schon um den Block versammelt. Grimmige Blicke. Dahinter die Absperrung. Einige der Ultras brechen oben und unten durch die Reihen. Kurzes Gerangel mit den Ordnern. Danach springen sie einfach über die Absperrung. Geschafft. Aus dem Block tönt lautes Gejohle.

»Europapokal«

Wir schauen uns an. Sollen wir es riskieren? Seve sieht verunsichert aus. Auch Roy scheint von der Idee nicht gerade begeistert. Dann kommen die Hunde. Polizisten führen ein halbes Dutzend der Köter an Leinen direkt vor den Block. Lautes Kläffen. Die FC-Ultras antworten mit wütenden Beleidigungen. Sie schlagen gegen die Banden. Die Hunde spielen verrückt. Die Stimmung ist angespannt.

»Lass uns doch einfach hier bleiben«, schlage ich vor. Wir stehen sowieso direkt daneben. Von der Stimmung verpassen wir nichts. Also bleiben wir wo wir sind. Stehplätze gibt es natürlich nicht. Also klettern wir auf die Klappsitze. Und Hüpfen. »Eu-ro-pa-pokaaaal.«