Warum es an Vorfreude auf die neue Saison mangelt

Schon wieder ein Jahr älter

Endlich Saisonbeginn: Wer sich darauf nicht mehr freut wie ein Kind auf den eigenen Geburtstag, den befällt stattdessen die Melancholie. Wie unseren Autor Dirk Gieselmann.

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Gestern hatte ich Geburtstag, heute beginnt die Bundesliga. In der »Sportschau«, im Jargon der altehrwürdigen Reporter, hieß so etwas mal »Duplizität der Ereignisse«. Zwei Tage der Freude, sollte man meinen, auf die ich als Fußball- und Geschenke-Fan wochenlang hingefiebert habe. Doch es ist nicht mehr so wie früher. Wie damals, als ich mir die Zeit, die ich noch zu warten hatte, bis es endlich, endlich so weit war, mit der Formel »noch x Mal schlafen« veranschaulichte.

Als ich dann aber natürlich nicht einschlafen konnte vor lauter Aufregung, dass es bald losgehen würde mit dem Fußball und den Geschenken, der Bundesliga und meinem Geburtstag. Und als in der »Sportschau« eben noch die Rede war von der »Duplizität der Ereignisse«. Ich bin da wesentlich routinierter geworden: Geburtstage nehme ich nurmehr schulterzuckend hin. Und auch dem Auftakt der Bundesliga blicke ich mit Indifferenz entgegen.

Lasst euch mal was Neues einfallen

Woran mag das liegen? Geburtstage, inzwischen habe ich 37 erlebt, gehen mit einem Gefühl der Vergreisung einher, das die Freude naturgemäß trübt. Immer mehr Kerzen auf dem Kuchen, aber immer weniger Kraft, sie auszupusten. Eine ähnliche Melancholie beschleicht mich, wenn ich einen Blick auf die Kader der Vereine werfe: Es gibt dort nur noch einen Profi, der älter ist als ich – Alexander Manninger, Ersatztorwart des FC Augsburg. Viele könnten hingegen unter gewissen Umständen meine Söhne sein.

Und noch etwas haben mein Geburtstag und die Bundesliga gemein: Sie überraschen mich nicht mehr. Die Geschenke, die ich bekomme, sind ohne Frage schön, aber erwartbar – sie ähneln also sehr stark einem typischen Saisonverlauf des FC Bayern, der am Ende bestimmt wieder Meister wird. Und dann stehen sie auf dem Rathausbalkon am Marienplatz, der Müller, der Lahm und der Neuer und versuchen zu lächeln. So wie ich an meinem Geburtstag. Schon wieder Meister. Schon wieder ein Jahr älter. Tja, was soll man machen? Deshalb mein Aufruf an den Fußball und das Leben überhaupt: Lasst euch mal was Neues einfallen. Ich will endlich mal wieder nicht schlafen können vor Aufregung.