Warum es sich lohnt, für 50+1 zu kämpfen

Geld ist eben doch nicht alles

Der deutsche Fußball braucht keine Investoren, sondern Demokratie und Mitbestimmung der Mitglieder. Ein Plädoyer für 50+1. 

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Als der Hamburger SV im Januar 2017 seine Mitgliederversammlung abhielt, war das eine reichlich trübe Veranstaltung und das nicht nur, weil sie in der tristen Trainingshalle der Handballabteilung abgehalten wurde. Abgezählte 381 Mitglieder verloren sich auf den Sitzen, und das war nicht einmal der Minusrekord. Letztes Jahr im Sommer waren gerade 204 von rund 75 000 stimmberechtigten HSVern anwesend. Damals wie heute war der halbleere Saal ein deprimierender Ausweis dafür, dass der einstmals so lebendige Verein ziemlich auf den Hund gekommen ist.

Die Hamburger müssen sich darüber jedoch nicht beschweren. Dafür haben sie vor zweieinhalb Jahren zu entschlossen für die Initiative »HSVplus« gestimmt, die damals mit hohlen PR-Phrasen eine goldene Zukunft für den Hamburger SV heraufbeschworen hatte. 86,9 Prozent der Stimmen für eine Initiative, die nichts, aber auch wirklich gar nichts von dem eingelöst hat, was sie den Mitgliedern zuvor versprochen hat. Weder wurden Strukturen verschlankt noch Finanzen konsolidiert noch ist der HSV auf direktem Wege in die Champions League. Stattdessen hängt der Klub noch aussichtsloser am Geldbeutel eines erratischen Milliardärs und dessen halbseidener Berater.

Organisationsform hat nichts mit sportlichem Erfolg zu tun

Man muss das mal so deutlich schreiben, weil diese Entwicklung so gar nicht zu jener Legende passen mag, an der viele Apologeten des pseudomodernen Fußballs seit vielen Jahren beharrlich stricken: der Legende nämlich vom Gegensatz zwischen unbeweglichen und veralteten Traditionsklubs auf der einen Seite, deren Mitglieder sich verzweifelt gegen den Fortschritt stemmen und am liebsten in Baumwolltrikots gegen Schweinsblasen treten würden, und auf der anderen Seite den modernen investorengelenkten Klubs, in denen Geld stets nur mit Sinn und Verstand und streng nach Konzept ausgegeben wird.

Es genügt, einen flüchtigen Blick auf die Bundesliga zu werfen, um festzustellen, dass die Organisationsform eines Klubs mit dem sportlichen Erfolg nahezu nichts zu tun hat, sondern allein damit, ob sich erstens in den jeweiligen Führungsetagen wirtschaftliche und fußballerische Kompetenz versammelt und ob zweitens die Organisationsstrukturen des Vereins ein gesundes Gleichgewicht zwischen effektiven Entscheidungsprozessen und konstruktiver Kontrolle erlauben. 

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