Warum es in Mainz kriselt

Wir woll'n euch spielen sehen!

Dass die Mainzer kämpfen können, haben sie gegen RB Leipzig bewiesen. Um die Klasse zu halten, bedarf es jedoch mehr offensiver Spielfreude. Vier Gründe, weshalb Mainz in den Abstiegskampf geraten ist.

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Einen Klassiker der Fußballgesänge konnten die Mainzer Fans am Mittwochabend nicht anstimmen: »Wir wollen euch kämpfen sehen!« An Einsatz hat es den Mainzern schließlich nicht gemangelt gegen das übermächtige RB Leipzig. Selbst beim Stande von 0:2 jagten die Mainzer jedem Ball hinterher, warfen sich in jeden Zweikampf, grätschten die Leipziger einfach um. Sechs gelbe und eine rote Karte zückte der Schiedsrichter im Verlaufe der Partie. All der Einsatz half nichts: Mainz verlor 2:3.

Spätestens jetzt, um es nonchalant auszudrücken, ist die Kacke in Mainz ganz schön am Dampfen. In der Rückserie haben die Mainzer eine solide Ausgangsbasis verspielt. Plötzlich stehen sie punktgleich mit den Augsburgern auf dem Relegationsrang, selbst die tot geglaubten Ingolstädter haben sich bis auf vier Punkte herangerobbt. Trainer Martin Schmidt, im letzten Jahr noch für den Europapokal-Einzug gefeiert, wird bereits angezählt. Wie konnten die Mainzer derart in Abstiegssorgen geraten? 

1. Der Malli-Verkauf

Wir sprechen zunächst einmal das Offensichtliche aus: Der Verkauf von Yunnus Malli mag finanziell notwendig gewesen sein – er kam jedoch zur Unzeit. Malli war an zwölf der 26 Treffern in der Hinrunde direkt beteiligt. In den zehn Partien der Rückrunde gelangen Mainz gerade einmal zehn Treffer.

Malli war der Spieler, der mit einem Pass aus dem Nichts Chancen kreieren konnte. Seine Präsenz zwischen den gegnerischen Abwehrketten half den Mainzern, im Spielaufbau Lösungen zu finden und schnell in die gegnerische Hälfte zu gelangen. Gerade bei Kontern war Malli der wichtigste Mainzer Akteur – und das, obwohl er der Form des Vorjahres lange Zeit hinterherhinkte. Da Mainz sich größtenteils über das Konterspiel definiert, ist sein Fehlen umso schmerzhafter.

Mainz hat es verpasst, einen Nachfolger für Malli zu finden. Sie haben im Sturm eine Mischung aus starken Tempo-Dribblern (Öztunali, Neueinkauf Krkic) und Stürmern, die als Ballhalter und Abschluss-Spieler fungieren können (Cordoba, Muto). Es fehlt aber ein Spielertyp, der sie mit Bällen füttert.

2. Kaum Impulse im Spielaufbau

Das Fehlen von Malli hat ein Problem verstärkt, das bereits in der Hinrunde bestand: Die Mainzer sind zwar ein starkes Konterteam, können das Spiel jedoch nicht selber gestalten. Sie bauen ihr Spiel häufig über die Flügel auf. Ein Mittelfeldspieler lässt sich dazu hinter die Abwehr fallen. Oft ist dieser Mechanismus vorhersehbar, auch weil ein Verbindungsspieler im Mittelfeld fehlt.

Sobald der Gegner ihnen den Ball überlässt, stehen sie regelmäßig vor Problemen. In der Rückrunde konnte Mainz bislang noch keinen einzigen Punkt holen, wenn sie mehr Ballbesitz hatten als der Gegner. Dadurch gingen Spiele gegen Abstiegskonkurrenten wie Bremen (62% Ballbesitz), Darmstadt (57%) und Ingolstadt (56%) verloren. 

Ihr eigenes Konterspiel können sie seltener abrufen, auch weil immer mehr Gegner ihnen den Spielaufbau überlassen. Hinzu kommt die hohe Ungenauigkeit im Spiel nach vorne: Mit 68,6% angekommenen Pässen verfügt Mainz über die viertschwächste Passquote der Liga hinter dem HSV, Darmstadt und Ingolstadt. Der Ball landet schlicht zu oft beim Gegner.

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