Warum es bei Napoli derzeit rumort

»Wir fahren nach Hause«

»Wir fahren nach Hause«, teilte Mannschaftskapitän Insigne dem Sohn des Klubchefs, Eduardo De Laurentiis mit. Die Führungsspieler um den gebürtigen Neapolitaner, Callejon, Allan und Mertens sowie einige andere, sollen den Rest des Kaders dem Vernehmen nach von dieser Idee überzeugt haben. Sie sollen der Meinung gewesen sein, dass die Leistung gegen Salzburg ausreichend gut gewesen war, um den Rückzug ins Trainingslager abzubrechen.

Die Gazetta dello Sport vermeldete, dass der Brasilianer Allan in der Kabine sogar fast handgreiflich gegenüber Edoardo De Laurentiis geworden sein soll. Aus diesem Grund, so heißt es, soll Ancelotti auch die obligatorische Pressekonferenz abgesagt haben – um die Ruhe in der Kabine wiederherzustellen. Dem mehrfachen Champions-League-Gewinner droht wegen des Verpassens dieses Pflichttermins nun eine sogar eine Strafe durch die UEFA.

Spieler müssen mit Geldstrafen rechnen 

Am Tag nach der Partie regenerierten die eingesetzten Spieler dann aber zunächst doch wie ursprünglich geplant im Trainingszentrum in Castel Volturno, während die Reservisten ein Spielersatztraining absolvierten. Um 13 Uhr verließen die Profis allerdings das Trainingszentrum und fuhren nach Hause. Damit kamen sie ihrer Ankündigung vom Vorabend nach – und lösten einen mittelschweren Skandal aus.

Der Klub veröffentlichte deswegen am Mittwochnachmittag ein Statement, in dem er ankündigte, seine eigenen Rechte zu schützen. Die Spieler müssen also wohl mit Geldstrafen rechnen. Die Gazetta dello Sport will sogar erfahren haben, dass De Laurentiis Schritte prüfen ließe, um sich vorzeitig von Ancelotti zu trennen. Gleichzeitig erklärte Napoli, dass bis auf Weiteres keine Verantwortlichen oder Spieler mit der Presse reden würden.

»Konstruktiver Rückzug«

Weiter hieß es, dass der Klub »die Entscheidungsverantwortung für die Durchführung des Trainingslagers der ersten Mannschaft dessen Trainer Carlo Ancelotti übertragen hat«. Der Trainer solle also über die weitere Wochenplanung entscheiden. Wenig später ging die nächste vom Verein veröffentlichte Meldung über den Äther: Das Trainingslager sei keineswegs ein »Strafentzug«, wie es einige Medien beschrieben hatten. Vielmehr solle es dabei darum gehen, der Gruppe mit diesem »konstruktiven Rückzug Konzentration und Motivation« zurückzubringen – so habe sich schließlich auch Aurelio De Laurentiis geäußert.

Der Filmproduzent ist derjenige, der die Spieler in Neapel hauptsächlich bezahlt, und gilt trotz oder gerade wegen seiner exzentrischen Art als Führungsfigur in der süditalienischen Metropole. Wenn sich seine Mannschaft weigert, eine seiner Entscheidung umzusetzen und dies sogar öffentlich wird, ist nicht damit zu rechnen, dass in dieser Angelegenheit bereits das letzte Wort gesprochen ist.