Warum es bei Brentford FC noch Stehplätze gibt

Dürfen die das?

Mit dem Brentford FC können in Deutschland höchstens Fußball-Nerds etwas anfangen. Dabei besitzt dieser Klub etwas ganz Besonderes: Zu Besuch auf einer Stehplatz-Tribüne, die es gar nicht geben dürfte.

Marcus Erberich

Ein Spaziergang um den Griffin Park kostet 20 Pfund, dauert zwei Stunden – und am Ende hat man leicht einen sitzen. Denn an allen vier Ecken dieses Stadions im tiefen Westen Londons, in dem seit 1904 der Brentford Football Club zu Hause ist, steht ein Pub. Das könnte man für typisch britisch halten, tatsächlich aber ist es einzigartig im englischen Profifußball. Ja, der Brentford FC – aktuell immerhin Zweitligist – ist für diesen Schwank auf der Insel wohl bekannter als für seine bald 129 Jahre Fußballtradition.

Aber es gibt da noch etwas, das diesen Verein – genauer gesagt: sein Stadion – zu etwas Besonderem macht. Die Zuschauer hinter den beiden Toren stehen im Griffin Park auf »Terraces«, wie es sie in den Stadien der ersten beiden Ligen seit dem Desaster von Hillsborough im Jahr 1989 eigentlich nicht mehr geben darf.

Stehplätze sind eigentlich verboten

Die Regel besagt, dass ein Verein, der von der dritten in die zweite Liga aufsteigt, drei Jahre Zeit hat, um seine Stehplätze in Sitzplätze umzubauen. Davon profitiert neben Brentford aktuell auch Burton Albion. Nur: Brentford spielt jetzt in der vierten Saison nacheinander in der Championship. Im vergangenen Sommer hätte der Klub also spätestens Sitzschalen auf die Betonstufen schrauben müssen.

Die gute Nachricht: An diesem grauen, kalten und regnerischen Samstag Anfang Februar, an dem Brentford in ein paar Stunden gegen Preston North End spielen wird, sind die Stehplätze noch da. Die schlechte Nachricht: Ihr Ende ist nah – es gibt sogar schon so etwas wie einen Termin.

Ein typischer Londoner Vorort

Der Fußweg von der U-Bahn-Station South Ealing bis zum Griffin Park dauert 20 Minuten. Die Gegend ist weder hübsch noch hässlich; Kioske, Imbissbuden, Tankstelle und ein Friedhof. Dass man hier nicht mehr in Central London ist, erkennt man auch daran, dass die Fußgänger an roten Ampeln auch wirklich stehen bleiben. An vielen Laternen kleben Aufkleber anderer Vereine: »Sunderland – Pride of the North« steht auf einem, darüber klebt ein Sticker des 1. FC Magdeburg.

Aus dieser Richtung kommend, ist der erste Pub des obligatorischen Stadionrundgangs der »The New Inn«. Im Innern ist es eng, die Decke ist niedrig, über der Theke hängt eine Girlande mit den Fähnchen der Teilnehmer des Six-Nations-Rugbyturniers.


»The New Inn«                                                              Foto: Marcus Erberich

Ein Fernseher zeigt gerade den Anstoß des North London Derbys zwischen Tottenham Hotspur und dem FC Arsenal im Wembley-Stadion. Eigentlich gilt der »New Inn« als Sammelpunkt für Auswärtsfans. Aber um diese Uhrzeit scheinen vor allem Besucher aus der Nachbarschaft hier einzukehren. »'ello, Francis!« »Mornin', Mikey!« Man kennt sich.