Warum eine Französin mit Campingstuhl im Mittelkreis einen Spielabbruch provozierte

Bad Neighbours


Direkt am Sportplatz zu wohnen, hat Vorteile: Beste Sicht auf Rumpelfußball, Bratwurstgeruch im Schlafzimmer und einen sehr kurzen Weg an die Theke. Allerdings kann die Lage auch nerven. Weswegen diese französische Nachbarin irgendwann die Nase voll hatte.

Facebook/ Puk & Match 65

Nachbarn - egal ob im Villenviertel oder im Wohnblock - können tierisch nerven. Sie sind viel zu spät viel zu laut, sie kochen Dinge, die mehr stinken als riechen und sie lassen ihre hässlichen Bäume erbarmungslos in den gegnerischen Vorgarten wuchern. Oder, noch viel schlimmer und im französischen Teil der Pyrenäen offenbar ein schwerwiegendes Problem: Sie schießen andauernd Bälle über den Zaun.

So geschehen auch am Wochenende, als die dritte Mannschaft von Juillan am ersten Spieltag der Première Division auf Tarbes FC traf. Eigentlich ein gewöhnliches Spiel, Tarbes, mit neuem Trainer und voller Hoffnung angereist, führte Mitte der zweiten Hälfte mit 2:1. Aber, wie das im Amateurfußball nun mal üblich ist: Nicht jeder Schuss fand seinen Weg ins Glück. Beziehungsweise ins Tor.

Abbruch in der 65. Minute

Manche Versuche landeten im Seitenaus, andere gleich auf dem Nachbargrundstück. Was wiederum die Nachbarin - sowieso schon gefrustet von all den Bällen, die ihr üblicherweise beim Training und anderen Spielen um die Ohren fliegen - auf den Plan rief. Und ihr ganz persönliches, mentales Fass endgültig zum Überlaufen brachte. Weswegen sie sich ihren Campingstuhl griff, auf den Sportplatz stapfte - und sich entschlossen in den Mittelkreis setzte. So dass der Schiedsrichter die Partie in der 65. Minute unterbrechen musste.

Dann wurde verhandelt. Es gab Krisengespräche, deren genaue Wortlaute uns leider nicht bekannt sind, jedoch liegt nahe, dass zwischen Beschwichtigen, ans Gewissen appellieren und ordentlichen Schimpftiraden auf die gesamte Palette der Verhandlungskunst zurückgegriffen wurde. Einziges Problem: Die Frau verfügt über einen eisernen Willen. Und blieb einfach sitzen. 



Was will die Frau?

Nach 45 Minuten Spielunterbrechung - so das offizielle Reglement in Frankreich - ist der Schiedsrichter dazu gezwungen, das Spiel abzubrechen. Und so saß die Nachbarin diese 45 Minuten ohne Probleme ab, immerhin hatte sie ein Buch und ihr Telefon dabei. Auch die gerufene Polizei konnte sie nicht davon überzeugen, das Feld zu räumen und selbst als der Rasensprenger angestellt wurde, als der Verein also zum letzten, zum verzweifelten Versuch griff, die Mini-Demo aufzulösen, ließ sie sich nicht beirren. Bis der Schiedsrichter die Partie tatsächlich aufgeben musste.

Was genau sie für die Zukunft fordert (größeres Fangnetz? Abbriss der Sportanlage? Weichere Bälle?), war da noch immer unklar. Doch besteht die Vermutung, dass es ihr womöglich um ein noch lukrativeres Geschäft als bisher geht. In der Vergangenheit hatte sie immerhin drei bis vier Euro pro Ball, der bei ihr gelandet war, einkassiert, wie ein Vereinsmitglied erzählt. »Sie sagt, es sei für sie ja Arbeit, die Bälle zurückzugeben.«

Arbeit, die jetzt auch auf den Regionalverband zukommt. Bisher weiß dort nämlich niemand, wie dieser Spielabbruch zu werten ist. 


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