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Warum ein Trikot Deutschland retten könnte

Tlinsmann

Seit vier Jahren besitzt unser Autor ein Originaltrikot seines Idols. Wenn er es trug, verlor Deutschland nie. Nur zweimal vergaß er es. Wird er den DFB retten können? Nicht unwahrscheinlich.

imago

Im Juni 2014 hielt ich das gute Stück in den Händen. In einem dünnen Pappumschlag war es mir geschickt worden. Weißer Stoff, metallisch glänzend. Auf der rechten Seite, direkt über der Leber, das alte Herstellerlogo. Auf der linken Seite das Wappen des Deutschen Fußball-Bundes. Vor allem aber: Der schwarz-rote-goldene Poncho am Hals und die Nummer 18 auf dem Rücken. Das WM-Trikot von 1994.

Zeit meiner Kindheit wollte ich ein Trikot besitzen. Im Sommer kaufte ich mir Bundesliga-Sonderhefte, ging ins Freibad und inspizierte jedes Design. Nuckelte an meiner Capri-Sonne und träumte von einem blau-roten Bayerntrikot der Saison 1996/97. Alles, was ich je bekam, war ein Schlafanzug mit eingesticktem Wappen meiner Oma. Eine Fälschung, für die sich jeder Verkäufer am Strand von Ko Samui schämen würde.

Meine blaue Mauritius

Wenn ich dann erzählte, wer mein Lieblingsfußballer sei, sagte ich: »Tlinsmann«. Weil ich das »K« leider noch nicht aussprechen konnte. Warum ich »Tlinsmann« so toll fand, weiß ich heute leider nicht mehr. Vielleicht, weil er viele Tore schoss und mit weit ausgestreckten Armen jubelte als wolle er mich umarmen, wenn ich Samstagabends auf unserem Teppich saß und »Ranissimo« schaute. Vielleicht weil ihn andere »Flipper« riefen. Ich mochte Flipper.

Später dann eigenes Geld verdient und Trikots kurzerhand gekauft. Greuther Fürth, Oberhausen auswärts, FC Benidorm und gerne auch was ausgefallenes. Doch vor vier Jahren sollte meine kleine Sammlung eine Aufwertung erhalten. Meine ganz persönliche blaue Mauritius: Ein Klinsmann-Trikot der WM 1994, original erhalten, ein bescheidenes Vermögen wert. Ich tat wie Mike Tyson: schlug ohne viel Nachdenken zu.