Warum ein spanischer TV-Sender auf den Supercup pfeift

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Der größte öffentlich-rechtliche Sender Spaniens verzichtet auf die Übertragung des spanischen Supercups, weil der in Saudi-Arabien ausgetragen wird. Damit setzt ausgerechnet ein Fernsehsender ein wichtiges Zeichen.

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Der spanische Fußball genießt nicht nur dank der Erfolge der Nationalmannschaft den Ruf herausragender fußballerischer Klasse. Er steht für feinste Technik und pure Eleganz. Er ist der Smoking im Kleiderschrank des Fußballs. Und wegen all des Glanzes und all der Eleganz lässt sich der spanische Fußball prima vermarkten.

So wurde unlängst der Austragungsmodus des spanischen Supercup verändert. Statt Meister und Pokalsieger treten künftig die zwei Pokalfinalisten sowie die zwei bestplatzierten Teams der Liga, die nicht den Einzug ins Pokalfinale geschafft haben, gegeneinander an. 120 Millionen Euro, so liest man, wird der spanische Verband RFEF für diesen neuen Modus und die Austragungs des Wettbewerbs in Saudi-Arabien bis ins Jahr 2022 kassieren. Doch nicht jeder ist bereit, den aufgerufenen Preis zu zahlen.

»Dürfen nicht auf einen Supercup bieten, der in einem Land ausgetragen wird, in dem die Menschenrechte nicht geachtet werden«

Der öffentlich-rechtliche Sender TVE wird darauf verzichten, Gebote für die Übertragungsrechte der Spiele abzugeben. Denn mit dem Verkauf des Supercups durch die RFEF werden die Superstars von »La Liga« in den kommenden drei Jahren in einem Land auflaufen, in dem Meinungsfreiheit und Rechte von Minderheiten nicht berücksichtigt werden. Laut dem Länderbericht von Amnesty International werden Akteure, die sich für eben diese Rechte einsetzen von nationalen Autoritäten strafrechtlich verfolgt und mit langjährigen Gefängnisstrafen zum Schwiegen gebracht.

Der Sender TVE verzichtet genau deshalb auf eine Übertragung. »Wir glauben, dass wir nicht für die Rechte auf einen Supercup bieten dürfen, der in einem Land ausgetragen wird, in dem die Menschenrechte nicht geachtet werden«, so die offizielle Mitteilung von TVE.