Warum ein Londoner Zwölftligist tausende Trikots verkauft

Welche Geschichte das Trikot in sich trägt

1936 führte General Franco einen Staatsstreich gegen die Regierung der Spanischen Republik an. Ihm zur Seite standen die Truppen des nationalsozialistischen Deutschen Reichs und des faschistischen Italiens. Zur Verteidigung der Republik formierten sich die Internationalen Brigaden: Linke aus Europa und aller Welt strömten auf die Iberische Halbinsel und beteiligten sich am Kampf gegen die drohende Niederlage des demokratischen Spaniens. Ihr Einsatz sollte nicht belohnt werden. Nach drei Jahren Bürgerkrieg siegte Franco und verwandelte Spanien in eine Diktatur unter seiner Herrschaft, die bis zu seinem Tode 1975 andauern und hunderttausende Tote kosten sollte. Bereits im Krieg waren über 20.000 Interbrigadisten gefallen.

»Ich wollte etwas zu Ehren derjenigen machen, die versuchten, den Faschismus in Spanien aufzuhalten. Damit sich die Leute daran erinnern«, sagt CCFC-Mitglied Thom gegenüber 11FREUNDE. Er ist für das Design der Trikots verantwortlich und sagt: »Franco und seine Herrschaft sind in Spanien noch immer ein bisschen ein Tabuthema, aber es gibt eine Menge Leute, die darüber sprechen wollen. Wir wollten unseren Respekt bekunden und offensichtlich gibt es viele, die genauso fühlen und ihre Herzen auf der Brust tragen möchten.«

Tausende Spanier und Jeremy Corbyn

Tatsächlich kommt die überwältigende Mehrheit der Trikot-Bestellungen aus Spanien. Der CCFC ist dort dieser Tage eine große Nummer. Die Sportzeitungen »Marca« und »As« berichteten und Hunderte Spanier meldeten sich beim Londoner Amateurklub. Mittlerweile hat der nicht einmal drei Monate alte Verein fast 12 000-Twitter-Follower und sah sich genötigt, in spanischer Sprache zu posten. Selbst als die Verantwortlichen bekannt gaben, dass sie den Preis der Shirts um fünf Pfund erhöhen müssen, da wegen der unerwartet hohen Einnahmen nun Steuern abzuführen seien, tat dies der Welle der Begeisterung keinen Abbruch.

Das blieb auch in England nicht unbemerkt. Die »BBC« schrieb einen Beitrag über die kuriose Geschichte des besonderen Trikots. Das Gemeindezentrum, in dem der CCFC seinen offiziellen Sitz hat, wurde von Anfragen überrollt. Und selbst Jeremy Corbyn, immerhin Vorsitzender der Labour-Partei und Oppositionsführer im britischen Parlament, zeigte seine Verbundenheit. »Eine brilliante Aktion«, schrieb er auf Twitter.

Iberian Tour next summer?

Was aber bleibt vom Rummel für den jungen Klub? Zunächst einmal eine Menge Arbeit. Mehrere tausend Trikots verschicken sich nicht von alleine, schon gar nicht, wenn sämtliche Tätigkeiten im Verein ehrenamtlich übernommen werden. Immerhin, mit dem Geld aus den Trikotverkäufen dürfte das Überleben des CCFC eine ganze Weile gesichert sein, wenn auch so viel nicht beim Verein selbst landet.

30 Pfund kostet ein Jersey. Davon geht ein Gutteil an den Hersteller sowie als Spende an den »International Brigade Memorial Trust«, der sich um Bildungsarbeit und die Erinnerung an die britischen Interbrigadisten bemüht. Von den übrigen Erlösen könnte es für den CCFC womöglich auf Reisen gehen: »Die Leute reden schon von einer ›Iberian Tour‹ nächsten Sommer«, erzählt Thom. Es wäre geradezu der perfekte Abschluss der kuriosen Anekdote vom heiß begehrten Auswärtstrikot des Londoner Amateurklubs.