Warum ein irischer Erstligist Bob Marley ehrt

Who the dress fit

Bohemians Dublin trägt ab der kommenden Saison ein Bob-Marley-Trikot. Was als Erinnerung an ein Konzert gemeint ist, ist eine schlechte Nachricht für Berlin.

twitter.com/bfcdublin

Als der Sportartikelhersteller »Umbro« im September die neuen Trikots der jamaikanischen Nationalmannschaft vorstellte, war die Begeisterung groß. In leuchtend Gelb daheim und in schwarzen Trikots mit goldgelb-grünem Muster sollten die Spieler auswärts antreten. Die Designer hatten es vollbracht, das Lebensgefühl der jamaikanischen Bevölkerung in Trikots weben zu lassen. Allein: Auf der karibischen Insel ist davon nichts zu sehen, die Klamotten sind nirgends erhältlich. Allein ein einziger Sportartikelshop in Montego Bay soll die Trikots unregelmäßig im Angebot haben.

Weshalb es nicht unwahrscheinlich ist, dass die jamaikanische Bevölkerung bald die Trikots des irischen Erstligisten Bohemians kaufen wird. Denn dort tragen die Spieler ab der kommenden Saison ein Bob-Marley-Gedächtnistrikot.

In Rastafari-Farben

Erinnern soll das Stück Stoff an die jamaikanische Reggae-Legende. Der Grund: Marley gab in den 1980ern im Dalymount Park von Dublin ein Konzert. Weshalb die Bohemians, die musikalisch ja eher mit »Queen« verbunden sein sollten, als Eigentümer dieses Stadions ihr neues Trikot mit dem Konterfei des Musikers in Auftrag gaben. Während an der Seite die grün-gelb-roten Rastafari-Farben leuchten, ist Marleys Gesicht am unteren Trikotrand aufgedruckt.

Den berühmtesten Bürger Jamaikas dürfte die posthume Ehrung sicher erfreut haben. Schließlich galt Marley Zeit seines Lebens als großer Fußballfan - und starb daran. Während er 1976 ein Attentat auf seinem Anwesen überlebt hatte, wurde ihm vier Jahre später ein Nagel im eigenen Garten zum Verhängnis. Den hatte er sich barfuß beim Fußballspielen in den Fuß gerammt, später stellten Ärzte fest, dass vermutlich die Verletzung bei Marley einen Hautkrebs verursacht hatte.

Freiheit und Kreativität

»Was mir am Fußball gefällt, ist, dass man seiner Fantasie freien Lauf lassen kann. Für mich hat der Fußball seine Berechtigung in dem Gefühl von Freiheit und Kreativität, das er hervorruft. Keine Kraft der Welt könnte mich daran hindern, ein Spiel zu machen!«, erklärte Marley, warum er bei jeder Gelegenheit gegen den Ball trat.

Wenige Monate nach seiner Verletzung brach Marley im New Yorker Central Park zusammen. Die Ärzte stellten fest, dass sich der Krebs auf das Gehirn, Lunge und Magen ausgeweitet hatte. Am 11. Mai 1981 starb er - ein geplantes Konzert im Maracana konnte nicht mehr stattfinden.

Weshalb nun die Bohemians aus Dublin, und nicht Flamengo aus Rio de Janeiro, das Konterfei des Jamaikaners auf den Trikots tragen. Zu Ehren des unvergessenen Konzerts im Dalymount Park. Schlechte Nachricht für alle Hertha-Fans: Im kommenden Jahr kommt P!nk nach Berlin.