Warum ein Fan freiwillig länger im Knast blieb

Altacraz

Ein italienischer Gefängnisinsasse verlängerte freiwillig seine Haft um eine Woche – nur für ein Foto mit Francesco Totti. Er drohte mit einem weiteren Verbrechen, damit ihm sein Wunsch erfüllt wird.

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Um ihre großen Idole zu sehen, machen Fußballfans oft verrückt Dinge. Sie stürmen den Platz während das Spiel läuft, um sich allenfalls eine schwitzige Umarmung und blaue Flecken von den Ordnern abzuholen. Sie harren Stunden im kalten Regen vor Trainingszentren aus, um das Hupen der genervten Stars zu hören und einen Blick in die teuren Autos zu erhaschen. Ja, sie zahlen sogar Geld, um sich Hannover gegen Augsburg anzuschauen. Ein Italiener ging im Dezember 2006 sogar noch ein gutes Stück weiter.

Der Römer verbrachte freiwillig eine Woche länger im Gefängnis. Der Grund: Francesco Totti hatte seinen Besuch angekündigt, allerdings genau eine Woche nachdem der Mann in die Freiheit entlassen werden sollte. Für den Insassen war die Vorstellung unerträglich, dass er den ewigen Kapitän so knapp verpasst. Also schrieb er einen Brief an den Gefängnisdirektor, mit der Bitte eine Woche länger im Knast bleiben zu dürfen. Sollte ihm der Wunsch nicht genehmigt werden, würde er etwas Verrücktes anstellen, um rechtzeitig wieder in den Knast zu kommen.

 »Irgendwann begann er dann die Leute wegzuschieben«

Francesco Totti beschreibt in seiner Biografie den Besuch im Gefängnis von Rebibbia, einem Vorort von Rom: »Ich saß am Tisch, um Autogramme zu schreiben und Fotos zu machen und da war ein Typ der die ganze Zeit laut geschrien und gestikuliert hat.« Der Gefängnisdirektor hatte nämlich dem Mann seinen Wunsch erfüllt. Er durfte länger im Knast bleiben und nun war er so kurz davor sein Idol zu treffen. »Irgendwann begann er dann die Leute wegzuschieben und sich seinen Weg nach vorne zu bahnen«, beschreibt Totti. Am Ende bekam der Fan das Foto mit seinem Idol und die Gelegenheit dem Kapitän der Roma seine Geschichte zu erzählen.

Kaum ein Spieler wird so vergöttert wie der gebürtige Römer Francesco Totti. Er wechselte mit 13 in die Jugendabteilung vom AS Rom und gab im März 1993, als 16-Jähriger, sein Debüt für seinen Lieblingsverein. Totti war 19 Jahre lang der Kapitän der Roma, gewann einmal die Meisterschaft und zwei Mal den italienischen Pokal. Im vergangenen Jahr beendete der »König von Rom« seine aktive Karriere als einer der wenigen Spieler auf Weltklasseniveau, der nur für einen Verein spielte, nicht in die USA oder nach Asien wechselte, um dort seine Karriere ausklingen zu lassen. Seit Juli 2017 ist er der Manager des AS Rom.  

Der römische Fan hat sich durch seine Aktion in der Biografie von Francesco Totti verewigt und die Latte für alle kommenden Generationen ein gutes Stück höher gesetzt. Ein paar Vorschläge, um die Fußballer nachhaltig zu beeindrucken: In einen Sitz des Mannschaftsbusses einnähen lassen, Trikotsponsor werden und das eigene Gesicht auf die Leibchen drucken lassen oder Leipzig zu einer Auswärtsfahrt begleiten. Wir hoffen, dass niemand tatsächlich so weit geht.