Warum ein Eritreer als Nationaltrainer Grönlands entlassen wurde

Als Opfer gefeuert

Den Träumereien bereitete die hässliche Fratze des grönländischen Fußballs nun jedoch ein jähes Endes. Denn eine Sache hat sich bei all der Weiterentwicklung nicht verändert: das Rassismus-Problem, mit dem Ghebrelul seit seinem Amtsantritt zu kämpfen hatte. 

Nachdem sich der Trainer bei den nationalen Halbfinals der Futsal-Meisterschaften erneut mit Affenvergleichen konfrontiert sah, und ein grönländischer Spieler die Geschehnisse auch noch via Snapchat verbreitete, forderte er ein Gespräch mit dem GBU. Er wollte abklären, wie man in Zukunft mit solchen Vorfällen umgehen würde. Das Ergebnis der Konversation: die Kündigung für Ghebrelul.

Streiks und Solidarisierung 

Eine Entscheidung, die einen riesigen Rattenschwanz nach sich zieht. Denn kurz nach der Kündigung legte der Vorsitzende des Verbandes, John Thorsen, sein Amt nieder. Er könne den Rauswurf nicht mittragen. Ihm tat es René Olsen gleich, der ehemalige Co-Trainer Ghebreluls. Er bezeichnete den GBU als »illoyal«, auch in den sozialen Medien brach ein Shitstorm aus. 

Die Spieler waren ebenso geschockt und erbost. In einer Stellungnahme bezeichneten sie das Vorgehen des Verbandes als »Skandal« und drohten zwischenzeitlich mit Arbeitsverweigerung. Sie witterten Manipulationen innerhalb des Verbandes und sprachen sich klar für einen Verbleib des Trainerteams Ghebrebul-Olsen aus. 

GBU vs. Ghebrelul

Nach langen Tagen des Schweigens meldete sich dann auch der Verband zu Wort. Natürlich hätte der Rauswurf nichts mit Rassismus zu tun gehabt. Vielmehr habe sich Ghebrelul dem Verband gegenüber »illoyal« verhalten. Sein Auftreten sei nicht vorbildlich und nicht in Einklang mit den Richtlinien des Verbandes gewesen. 

Vorwürfe, die der Entlassene postwendend zurückwies. Gegenüber der zweitgrößten grönländischen Zeitung »Sermitsiaq« unterstellte er dem Vorgehen rassistische Motive. Die Schuldzuweisungen des Verbandes seien dagegen ein Vorwand, um ihn entlassen zu können und um seine Kritik an den Feindseligkeiten grönländischer Zuschauer verstummen zu lassen. 

2019 finden die »Island Games« in Gibraltar statt. Ein erneuter zweiter Platz wäre auf Grund der neuerlichen Umstände eine noch größere Überraschung, als ohnehin schon.