Warum ein Cottbus-Fan auf Pilgerreise ist

»Wunder gibt’s ja nicht an der Kasse«

Doch das blau-weiße Alianza Lima war kein Ersatz für den rot-weißen FC Energie. Mit der Wiedervereinigung kam er zurück – und fuhr prompt nach Chemnitz, weil Energie dort auswärts gastierte. Wildo war wieder zuhause. Und der Verein meinte es gut mit ihm. Pokalfinale 1997. Aufstiege in Serie. Sechs Jahre Bundesliga.

Das alles ist mittlerweile vorbei. Geschichten, die in Büchern stehen, auch wenn Wildo noch ganz leise von der zweiten Liga und noch leiser vom Oberhaus träumt. Dabei ist Energie von der Bundesliga aktuell weiter entfernt als das Stadion der Freundschaft von der Kathedrale in Santiago de Compostela.
 
»Wenn es nicht klappt, muss ich eben noch mal hin«
 
Dorthin ist Wildo gerade unterwegs, um für das große Wunder zu bitten. Als Pilgerausweis, der an jeder Station als Nachweis abgestempelt wird, dient ihm sein weißes Energie-Trikot.

In die Pilgerurkunde, die in Santiago de Compostela ausgestellt wird, will er nicht seinen Namen eintragen lassen sondern »FC Energie Cottbus«. Wildo ist damit auf fast offizieller göttlicher Mission. Realistisch ist er dabei dennoch: »Wunder gibt’s ja nicht an der Kasse zum Mitnehmen, sonst wären es keine Wunder. Wenn es nicht klappt, muss ich eben noch mal hin.«



Hoffnung hat er vor allem darauf, mit seiner Reise den ein oder anderen Sponsoren des Klubs zum Bleiben zu bewegen. Denn für den Wiederaufstieg, das weiß auch er, helfen Euros mehr als fromme Gebete.

Als wolle der Fußballgott ihm ein Zeichen senden
 
Zumindest das eigentliche Wunder überlässt er diesmal nicht dem Zufall. Wildo hat die nördliche Route durchs Baskenland gewählt, hindurch durch Fußballbastionen wie Bilbao. Er will vor allem Logrono umgehen; den Ort, in dem er vor zwei Jahren die Nachricht über Cottbus’ Abstieg erhielt.