Warum ein Amateur-Ultra nicht mehr zu seinem Verein geht

Der wahre zwölfte Mann

Nico Schoch ist der einzige Ultra von Normannia Gmünd. Doch weil der Sechstligist jetzt hoch hinaus will, musste sich der Edel-Fan einen neuen Verein suchen.

»Lautstarker Support und ein Stück Stadionatmosphäre am Feldrand. Fußball und Bier darum bin ich hier.« - So beschreibt sich Nico Schoch als den zwölften Mann auf seiner offiziellen Facebook-Seite. Aus reinem Interesse am Fußball zog es ihn 2008 erstmals zu einem Heimspiel von Normannia Gmünd. Er blieb. Drei Jahre später trat er der Fangruppe »der zwölfte Mann« bei. Wenn es der Terminkalender hergab, war Nico Schoch fortan bei jedem Heim- und Auswärtsspiel der Ersten, Zweiten sowie den Jugendmannschaften anzutreffen.

90 Minuten steht Schoch am Spielfeldrand. Meistens steht er dort alleine. Er ist immer rechtzeitig da, um seine bunt bemalten Banner aufzuhängen. Wenn der Schiri anpfeift, geht es auch für ihn los. Von der ersten bis zur letzten Minute unterstützt er seine Mannschaft. »Je nach Spielverlauf passe ich auch meine Lieder an, wenn wir 4:0 hinten liegen, singe ich natürlich nicht mehr ›kämpfen und siegen‹«, erklärt Schoch. Über Jahre hinweg war er damit ein wichtiger Teil des Vereins und überall im Kreis bekannt.



Doch jetzt ist Schluss. Nico Schoch, der treue zwölfte Mann, steht seit dieser Saison nicht mehr am Spielfeldrand und macht Stimmung. Um genau zu sein, wurde er von den Verantwortlichen, nennen wir es »darum gebeten«, nicht mehr zu kommen. Weil er, wie ein echter Ultra das nun mal macht, seine Meinung bezüglich der Verantwortlichen und deren Taten lautstark äußerte. Nachdem der Trainer Beniamino Molinari vergangenen Sommer gehen musste, wurde es ihm zu viel. Beim Derby gegen den Lokalrivalen TSV Essingen zeigte er seinen Unmut auf einem großen Banner und veröffentlichte zudem mehrere Leserbriefe in der Lokalzeitung. Dies gefiel den Verantwortlichen gar nicht, woraufhin für den zwölften Mann ein inoffizielles »Stadionverbot« ausgesprochen wurde.

Das Team konnte vergangene Saison die Ansprüche nicht erfüllen, woraufhin der Vertrag des Trainers nicht verlängert wurde. »Ein Aufstieg in die Oberliga ist für diesen Verein aktuell sowieso komplett unrealistisch«, meint Nico Schoch. Ein Blick auf die Tabelle bestätigt das, nach acht Spieltagen steht die Mannschaft auf dem neunten Platz. Weit weg von den Aufstiegsrängen.