Warum durstige WM-Fans in Moskau auf dem Trockenen sitzen

Diagnose: Unterhopft!

Dramatische Szenen in der russischen Hauptstadt: Weil viele Gastronomen den Bier-Durst der Fußballfans unterschätzt haben, geht Moskau das Bier aus.

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Die Kneipen-Besitzer in Moskau haben ganz offensichtlich nicht mit dem immensen Bier-Durst der ausländischen Fans während der Fußball-WM gerechnet. In den ersten Tagen der Endrunde vermeldeten die Kellner zahlreiche Bars und Bistros immer wieder: »Der Gerstensaft ist ausverkauft.« Wer nicht auf Wodka umsteigen wollte, war aufgeschmissen.

»Wir sind nicht davon ausgegangen, dass sie nur Bier wollen«, wird ein Kellner in Moskau zitiert. Weil auch die Lager der Lieferanten langsam zur Neige gingen, würde die Nachlieferung teilweise länger als einen Tag benötigen. Das günstigere Lagerbier sei in vielen Bars ausverkauft, dort greift man nun auf Flaschenbier zurück.

Schweden säuft Nowgorod leer!

Tatsächlich erlebt die russische Hauptstadt schon während der ganzen WM einen wahren Ansturm feierlustiger Fans aus aller Herren Länder. Die hohen Temperaturen sorgen zudem dafür, dass das Leben in den Straßen Moskaus bis in die frühen Morgenstunden pulsiert. Die Kneipen und Fußgängerzonen sind proppenvoll - nicht nur bei den russischen Spielen.

Aber nicht nur in Moskau besteht das Problem. In der russischen WM-Stadt Nischni-Nowgorod hätten die schwedischen Fans nach dem ersten Gruppenspiel gegen Südkorea angeblich die gesamte Stadt leergetrunken. »Ja, manche Lokale hatten kein Bier mehr. Die Stadt musste noch nie etwas in dieser Größenordnung organisieren, also wurden sie komplett überrascht«, wird Martin Fredman, der Sicherheitschef des schwedischen Fußballverbands im »Sportbladet« zitiert.

Hohe Steuern und kein Verkauf in der Nacht

Russland liegt beim Alkoholkonsum pro Jahr und Bürger weltweit auf dem 14. Platz. Bei der reinen Bier-Statistik reicht es aber »nur« zum 32. Rang. Das liegt nach Experten-Meinung vor allem daran, dass die Steuern hoch und die Kaufkraft der Konsumenten niedrig sei.

Schuld ist aber auch das Jahr 2011: Erst damals wurde Bier in Russland als Alkohol eingestuft. Seitdem ist der Verkauf nachts verboten. Zudem gibt es den Gerstensaft nicht mehr an Kiosken und in großen Mengen zu kaufen.