Warum Duisburg-Fans ihre Fahne nicht mehr aufhängen

Unheilvolle Parallelen und Verbindungen

Nun also die nächste Attacke. Die Ereignisse erinnern ein wenig an ähnliche Vorfälle etwa in Aachen oder Braunschweig, wo es rechten Anhängern, alteingesessenen Hooligans und organisierten Neonazis gemeinsam gelungen war, durch gewaltvolle Einschüchterungen und Übergriffe die ihnen widersprechenden Fans aus der Kurve zu drängen. In beiden Fällen spielte der Verein keine glanzvolle Rolle, es mangelte an Unterstützung des antirassistischen Teils der Anhängerschaft.

In Duisburg hingegen scheint man die Zeichen der Zeit erkannt zu haben. Gegen sechs der Angreifer von Darmstadt, die identifiziert werden konnten, sprach der Verein umgehend Hausverbote aus. Zudem plant der MSV mit den betroffenen Fans und anderen Fan-Gruppen einen runden Tisch, der sich der Thematik widmen und Gegenstrategien entwickeln soll. Dabei sei auch externe Hilfe vorgesehen, sagt Pressesprecher Haltermann.

Bedrohliche Verwicklungen

Gänzlich bannen lässt sich die Gefahr erneuter Überfälle derzeit wohl aber nicht. Laut MSV-Angaben stammen die Beschuldigten in der Causa Darmstadt zudem nicht sämtlich aus dem Fußballmilieu, sondern sind zum Teil eher in der Kampfsportszene beheimatet.

Verwicklungen von Hooligans, aktiven Kampfsportlern und Neonazis sind derzeit vielerorts zu beobachten. Akteure der extremen Rechten vernetzen sich, um ihr Gewaltmonopol auszubauen – auch in den Fußballstadien. Zudem pflegen die Gruppen überregionale Kontakte: Die ehemaligen Mitglieder der »Divison« sollen nicht nur mit den Neonazis vom »Nationalen Widerstand Duisburg«, sondern auch mit dem Dortmunder Pendant in Verbindung stehen.

Diese Drohkulisse ist es, die zur Entscheidung der »Zebras stehen auf«, sich vorerst zurückzuziehen, führte. Für ein Gespräch stehen sie derzeit nicht zur Verfügung, auch das ortsansässige Fanprojekt gibt sich bedeckt. Haltermann spricht von einer »unschönen Aufgabe«, der man sich nun stellen müsse. Vielleicht trägt die interne Aufarbeitung allerdings auch schon bald Früchte und der Wunsch der »Zebras stehen auf« kann in Erfüllung gehen: »Ein Schritt zurück mit dem Anspruch, drei nach vorne zu gehen«.